Mit ihrem wunderbaren Blütenduft gehört die Linde zu den typischen Frühsommerboten. Weil sie auch noch ganz besondere Kräfte hat, wurde sie jetzt vom NHV Theophrastus zur Heilpflanze des Jahres 2025 gekürt.
Mächtiger Baum: die Linde
Mit „die Linde“ sind sowohl die Sommer- als auch die Winterlinde gemeint. Die beiden Bäume können sehr alt und mächtig werden, und oft genug sind sie knorrige Blickfänge auf Dorfplätzen. Über ihre Heilkräfte wird allerdings nur selten gesprochen. Dabei ist es wissenschaftlich erwiesen, dass die Blüten gegen Erkältungen und leichte Stresszustände helfen können. Auch den Blättern, der Rinde und deren Asche werden entzündungshemmende, harntreibende, blutreinigende und entspannende Wirkungen zugeschrieben. „Dieser mächtige Baum verbindet Tradition und Moderne und tut das Seine zur Beruhigung der teilweise hyperbeschleunigten Gesellschaft“, begründet ein Jurymitglied die Wahl.
Die Sommerlinde blüht etwas früher
Die Linde gehört zu den Malvengewächsen. Blütezeit der Sommerlinde (Tilia platyphyllos) ist zwischen Juni und Juli, die der Winterlinde (Tilia cordata) einige Wochen später. Die Blüten duften sehr intensiv und locken unzählige Insekten an.
Es ist nicht einfach, die beiden Linden-Arten zu unterscheiden. Die herzförmigen Blätter der Winterlinde sind kleiner und haben eine blaugrüne Unterseite, während sie bei der Sommerlinde hellgrün ist.
Als Heilmittel bekannt
Schon seit Jahrtausenden werden Lindenblüten als Heilmittel genutzt, im alten Ägypten wurde die Linde sogar als heiliger Baum verehrt. Auch Hildegard von Bingen kannte die heilenden Kräfte der Lindenblüten und -blätter, aus denen sie Tee zubereitete. Sehr beliebt ist natürlich auch der Lindenblütenhonig, der sehr aromatisch schmeckt.
Schleimstoffe und Flavonoide
Zu den wirksamen Inhaltsstoffen gehören Flavonoide wie Astragalin, Quercitin und Rutin, außerdem Schleimstoffe und ätherische Öle. Auch heute noch werden die Blüten gegen Erkältungen mit Atemwegsbeschwerden und Reizhusten eingesetzt. Die Schleimstoffe lindern den Husten, indem sie sich wie eine Schutzschicht über die Schleimhäute legen. Zudem wirkt der Tee leicht schweißtreibend.
Blüten gegen Erkältung
Lindenblüten können Sie in getrockneter Form kaufen, sie stecken neben Schwarzem Holunder und anderen Zutaten aber auch in vielen Erkältungstees. Wirksam ist auch eine Inhalation mit Lindenblüten.
Für ein entspannendes Fußbad verwenden Sie etwa eine Handvoll getrocknete Blüten. Geben Sie sie in einen Teefilter oder ein Teesieb und übergießen Sie sie mit 500 Millilitern heißem Wasser (etwa 80 Grad). Ein paar Minuten lang ziehen lassen und mit kaltem Wasser aufgießen, bis die Temperatur angenehm für Ihre Füße ist.
Linden und Menschen
Linden spielen für Menschen schon immer eine besondere Rolle. Einst holten sie die Bäume, die bis zu 40 Meter hoch und bis zu 1000 Jahre alt werden können, aus den Wäldern in die Städte. Man pflanzte sie zur Erinnerung an besondere Ereignisse und machte sie zum Symbol für Gerechtigkeit, Frieden, Heimat und Liebe.
Martin Luther sagte einst: „Denn unter der Linde pflegen wir zu trinken, tanzen, fröhlich sein, denn die Linde ist unser Friede- und Freudebaum.“ Heinrich Heine schuf ihnen ein gedichtetes Denkmal: „Sieh dieses Lindenblatt! Du wirst es wie ein Herz gestaltet finden, darum sitzen die Verliebten auch am liebsten unter Linden.“ Der Baum steht seit jeher auch neben vielen Gasthöfen. Und seit 1991 wächst am topographischen Mittelpunkt Deutschlands, im thüringischen Niederdorla, als Erinnerung an die deutsche Einheit eine Kaiserlinde.
Insekten lieben Lindenblüten
Aber nicht nur Menschen lieben die Linde. Auch bei Insekten ist sie sehr beliebt. Das liegt daran, dass die Blüten nicht nur angenehm duften, sondern auch sehr reich an Pollen sind. Bienen, Hummeln, Schwebfliegen und viele Käfer und Schmetterlinge werden angelockt, außerdem dienen die Pflanzen etwa 70 Raupenarten als Kinderstube.
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