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Alljährliches Wunder: der Vogelzug

Jedes Jahr machen sich Millionen Vögel im Herbst auf den Weg in Richtung Süden – von ihren Brutgebieten in Nord- und Mitteleuropa geht es zu den Winterquartieren. Die Tiere wissen genau, wohin sie fliegen, und legen dabei erstaunliche Distanzen zurück. Selbst für Experten ist der Vogelzug immer noch ein Rätsel.

Warum gibt es den Vogelzug?

Die Tiere verlassen ihre Brutgebiete, weil im Herbst das Nahrungsangebot für sie knapp wird. Das gilt vor allem für Vögel, die sich von Insekten ernähren. Allerdings fliegen nicht alle gleichzeitig ab. Und auch nicht gleich weit.

Lang- und Kurzstreckenzieher

Es gibt Vogelarten, die extreme Strecken zurücklegen. Das sind die Langstreckenzieher, die tausende von Kilometern bis nach Afrika fliegen. Etwa die Mauersegler. Sie starten schon Anfang August und sind damit die ersten Zugvögel, die sich auf den Weg machen. Ihr Ziel ist die Region südlich der Sahara in Afrika oder im Kongobecken, 10.000 Kilometer entfernt. Pro Tag legen sie bis zu 570 Kilometer zurück!

Überwintern in Afrika…

Auch Kuckuck, Nachtigall, Weißstorch, Rauchschwalbe, Gartenrotschwanz und Fischadler zählen zu den Langstreckenziehern. Ihre Ziele liegen in Süd- oder Zentralafrika bzw. im Senegal. Bei ihnen beginnt der Vogelzug schon ab August oder Anfang September, weil ihr Weg weiter ist.

…oder in Südeuropa

Kraniche dagegen gehören zu den Mittelstreckenziehern. Sie legen bis zu 3000 Kilometer bis in die spanische Extremadura zurück. Auch Drosseln und Zilpzalp sind Mittelstreckenzieher.
Wenn die Wintergebiete maximal 2000 Kilometer entfernt liegen, spricht man von Kurzstreckenziehern. Die Tiere verbringen den Winter z.B. im Mittelmeergebiet. Zu den Kurzstreckenziehern gehören z.B. das Rotkehlchen (die in Nordeuropa brütenden Tiere überwintern in Mitteleuropa, die mitteleuropäischen wiederum am Mittelmeer) und Hausrotschwanz.

Kurzstrecken- und Teilzieher

Viele Vogelarten aus dem Bereich Kurzstreckenzieher sind Teilzieher, die sich nach klimatischen Bedingungen richten. Einige bleiben in ihren Brutgebieten, andere ziehen in den Süden. Zilpzalp und Mönchsgrasmücke zum Beispiel können sich komplett anpassen und sowohl Lang- als auch Kurzstreckenzieher und sogar Standvogel sein. Zu den Teilziehern gehören auch die Feldlerche (die Tiere aus dem Norden weichen in den Süden aus) und die Amsel.

Standvögel

Vögel, die sich nicht am Vogelzug beteiligen und das ganze Jahr über in ihrem Brutgebiet bleiben, werden als Standvögel bezeichnet. Sie finden auch im Winter genug Nahrung. Typische Beispiele sind Elster und Spatz, Kohlmeise, Habicht, Buntspecht, Eichelhäher, Buchfink (er kann auch Teilzieher sein, wenn das Angebot an Bucheckern und Sämereien zu gering ist), Star und Gimpel. Und noch viele weitere Vogelarten, die Sie im Winter am Futterhäuschen sehen können.

Um es ein bisschen kompliziert zu machen: Einige Exemplare können durchaus Wintergäste aus nördlichen Gebieten sein, denn viele Vogelarten (z.B. die Amsel) gibt es in Mittel- und auch in Nordeuropa. Das macht die Unterscheidung zwischen Standvögeln und Kurzstreckenziehern teilweise etwas schwierig.

Sie finden immer wieder ihren Weg zurück

Egal, wie weit die Strecke beim Vogelzug ist: Die Tiere finden im nächsten Frühjahr ihren Weg zurück zu ihren Brutgebieten, sie scheinen einen Kompass im Bauch zu haben, der ihnen den Weg weist. Auch das ist, Jahr für Jahr, ein Wunder.

Kraniche beobachten

In manchen Gebieten – etwa in Linum bei Neuruppin oder in Zingst auf dem Darß – sammeln sich beim Vogelzug im HerbstTausende von Vögeln, vor allem Kraniche und Gänse, um sich vor dem weiten Flug noch einmal richtig sattzufressen. Vor allem in den Abendstunden kann man den Einflug der Vögel in ihre Schlafplätze gut beobachten. In Groß-Mohrdorf (Mecklenburg-Vorpommern) gibt es ab 25. September regelmäßige Exkursionen. Auch die Storchenschmiede in Linum lädt z.B. am 24. und 25. September jeweils um 17.30 Uhr zu Führungen zum abendlichen Kranich-Einflug ein.

Unterwegs im Teichland Linum

Es ist ein ganz besonderes Erlebnis, gegen Abend im Teichland unterwegs zu sein. Wenn die Dämmerung beginnt, fliegen die Vögel niedriger als am Tage. Die riesigen Schwärme machen einen ordentlichen Krach, ihr Trompeten ist weithin zu hören. Übertönt wird es gelegentlich von Enten- oder Gänse-Schwärmen. Alles zusammen ist ein Höllenlärm, der jedem ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Übrigens sind zeitweise über 100.000 Kraniche in Linum zu sehen (und zu hören)!
Übrigens: Graugänse und Kraniche bilden am Himmel die typische V-Form. Dadurch sparen sie Energie.

Informationen über den Kranich im Storchenzentrum

Wenn Sie einen Ausflug zum Vogelzug nach Linum machen möchten, lohnt sich vorab ein Abstecher ins Natur- und Umweltzentrum Storchenschmiede (Nauener Straße 54, Linum, September: Do, 10-16 Uhr, Fr-So, 10-18 Uhr; Oktober/November, Mi/Do, 10-16 Uhr, Fr-So, 10-18 Uhr). Dort informiert eine Ausstellung über den Kranich, seine Lebensweise und sein Zugverhalten.

Vogelzug beobachten

Von der Storchenschmiede kommen Sie gut zu Fuß zum Teichland (Weg ist ausgeschildert). Hier können Sie neben Gänsen, Enten und Kranichen auch viele andere Vogelarten sehen. Feste Schuhe und wetterfeste Kleidung in neutralen Farben ist zu empfehlen, außerdem sollten sich Besucher auf den Wegen möglichst ruhig verhalten. Fernglas nicht vergessen!

Wer früher kommt, der kann einen Blick auf die abgeernteten Felder in der Umgebung von Linum werfen. Hier sind oft Kraniche bei der Futtersuche zu sehen (bitte nicht aus dem Auto aussteigen, um die Vögel nicht aufzuschrecken).

Hier finden Sie Birdwatch-Termine des Nabu

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