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Winzling im Wald: das Kriechende Netzblatt

Das Kriechende Netzblatt ist eine wunderschöne Orchidee. Aber so winzig, dass die Chancen, sie in der wilden Natur zu sehen, sehr klein sind. In Berlin und Brandenburg kommt die Pflanze, die von den Arbeitskreisen Heimische Orchideen (AHO) zur Orchidee des Jahres 2021 gekürt wurde, nicht vor, man begegnet ihr am ehesten in Thüringen, Bayern und Hessen.

Das Kriechende Netzblatt liebt Moos

Bevorzugter Standort des Kriechenden Netzblatts (Goodyera repens) sind Kiefern- und Fichtenwälder, manchmal wächst es auch in Gebüschen nahe von Bächen. Es liebt lichte und moosreiche Stellen im Wald. 

Winzling mit flachen Wurzeln

Oft wird die Orchidee, die ihren botanischen Namen dem britischen Botaniker John Goodyer (1591­1664) verdankt, kaum mehr als fünf Zentimeter hoch, manchmal kommt sie aber auch auf 30 Zentimeter. Ihre Wurzeln liegen dicht an der Oberfläche in Humus und Moos. Am Stängelgrund bilden sich drei bis acht Laubblätter, die ganzjährig grün sind – das Kriechende Netzblatt ist damit die einzige immergrüne Orchidee in Deutschland.

Netzstruktur auf den Blättern

Und wer die Blätter genau anschaut, erkennt an ihnen eine netztartige Struktur, die der Orchideen-Gattung Netzblatt den Namen gab. Der andere Teil des Namens erklärt sich dadurch, dass die Pflanze Seitentriebe bildet, das Rhizom (Wurzelstock) entwickelt sich kriechend und es dauert oft einige Jahre, bis der junge Trieb zur Blüte heranwächst. 

Zarte weiße Blüten

Die kleinen weißen Blüten erscheinen zwischen Juni und Mitte August, und sie sind so zart wie die ganze Pflanze. Sie sind ebenso wie der Stängel stark behaart – man könnte meinen, sie seien von einer Frostschicht bedeckt. 

Federleichte Samen

Bestäubt werden die Blüten, deren Duft auch menschliche Nasen gut wahrnehmen können, vor allem von Hummeln. Anschließend bilden sich Streukapseln mit Samen, die gerade einmal 0,002 Milligramm wiegen – sie sind damit mit die leichtesten Samen überhaupt im Pflanzenreich.

Symbiose mit einem Pilz

Das Kriechende Netzblatt lebt wie viele Orchideen mit einem Mykorrhizapilz zusammen. Unter Mykorrhiza versteht man eine Symbiose aus Pilzen und Pflanzen, bei der der Pilz der Pflanze Nährsalze und Wasser liefert und dafür von der Pflanze Kohlenhydrate und andere Nährstoffe bekommt.

Gefährdete Orchidee

Ohne diese Symbiose kann die Orchidee des Jahres nicht überleben. Das Kriechende Netzblatt ist außerdem durch die Entwicklung von Kiefern- zu Mischwäldern gefährdet. Wo das geschieht, ist die Orchidee schnell verschwunden.

Das Kriechende Netzblatt ist streng geschützt

Eigentlich ist es klar, aber erwähnt werden soll es doch: Wie alle wilden Orchideen in Deutschland steht auch das Kriechende Netzblatt unter strengem Naturschutz. Fotografieren und Freuen ist natürlich erlaubt!


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Eine Antwort auf „Winzling im Wald: das Kriechende Netzblatt“

Liebe Silke,
lange habe ich mich nicht mehr bei dir gemeldet. Gerade habe ich deinen Artikel zur Goodyera repens gelesen. Einfach großartig.
Allerherzlichste Grüße Wolfgang

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