Wenn der Alpenschneehase im Sommer über die Wiesen hoppelt, ist er graubraun. Und deshalb zwischen den Pflanzen und Felsen kaum zu sehen. Im Winter wird sein Fell schneeweiß – und wieder kann er sich in der Natur unsichtbar machen. Weil er besonderen Schutz braucht, hat ihn die Deutsche Wildtier Stiftung zum Tier des Jahres 2025 gewählt.
Der Alpenschneehase ist sehr selten
Die Chancen, einen Alpenschneehasen (Lepus timidus varronis) zu sehen, sind sehr, sehr gering. Das liegt nicht nur daran, dass man ihn in der Natur leicht übersieht. Auf der Roten Liste der Säugetiere wird er unter der Rubrik „extrem selten“ geführt. Unterwegs ist er in Höhenlagen ab 1300 Metern.
Im Sommer ist das Fell graubraun

Der Alpenschneehase wird etwa 50 Zentimeter lang und wiegt drei Kilogramm. Im Sommer sieht er mit seinem graubraunen Fell aus wie ein Feldhase, mit dem er eng verwandt ist. Auffälligster Unterschied ist der Schwanz, der komplett weiß ist (beim Feldhasen ist er oben schwarz gefärbt). Im Herbst wächst dem Alpenschneehasen das weiße Winterfell.
Unterwegs in der Dämmerung
Bevorzugte Nahrung des Hasen sind Kräuter, Gräser, Blätter, Knospen und Triebe. Um sich bei der Nahrungssuche vor Fressfeinden wie Füchsen, Greifvögeln, Mardern und Rabenvögeln zu schützen, ist er überwiegend in der Dämmerung und nachts unterwegs. Am liebsten hält sich der Alpenschneehase nahe der Baumgrenze auf, wo er zwischen Alpenweiden und dem Schutz von Bäumen wechseln kann.
Jungtiere werden schnell selbstständig
Erstaunlich ist, dass junge Alpenschneehasen mit Fell zur Welt kommen und bei der Geburt schon sehen können. Meist bringt die Häsin in zwei Würfen jeweils zwei Jungtiere zur Welt. Sie sucht sich dafür geschützte Orte wie Felsnischen. Die Kleinen werden nur einmal am Tag, immer abends, gesäugt. Auf diese Weise stellt die Mutter sicher, dass ihr Nachwuchs nicht von Beutegreifern bemerkt wird. Schon nach neun Tagen beginnen die Jungen, pflanzliche Nahrung aufzunehmen, und nach sechs Wochen müssen sie sich selbst versorgen. Allerdings überleben nur wenige Jungtiere das erste Jahr.
Weißes Fell schützt vor Kälte
Das weiße Fell dient dem Tier im Winter nicht nur als Tarnkleid. Die mit Luft gefüllten weißen Haare schützen es auch vor der Kälte, sie verringern den Energieverlust im Vergleich zum Sommerfell um 25 Prozent. All das sorgt dafür, dass der Hase auch mit Eiseskälte gut zurechtkommt. Sein Körper ist perfekt angepasst: Die besonders exponierten Beine und Ohren sind kürzer als bei den Verwandten, die in wärmeren Regionen leben. Zudem sind seine Pfoten breit und stark behaart – so kann er sich im Schnee und auf Eis gut bewegen und sinkt auch in tiefem Schnee nicht ein.
Das Tier leidet unter dem Klimawandel
Wenn viel Schnee fällt, gräbt sich der Alpenschneehase eine kleine Höhle oder lässt sich einfach einschneien. Allerdings wird es heutzutage nur noch selten wirklich kalt – und genau das ist das Problem. Der Klimawandel und die damit verbundenen steigenden Temperaturen sorgen dafür, dass sich die Schneefallgrenze immer weiter nach oben verlagert. Auf Felsen oder Wiesen aber wird dem Hasen sein weißes Winterfell zum Verhängnis – er ist für Fressfeinde in dieser Zeit gut zu sehen. Ähnlich ist es im Frühling, wenn der Schnee immer früher schmilzt, der Hase aber immer noch das weiße Fell trägt.
Forderung nach Wildschongebieten
Außerdem macht dem Schneehasen der Tourismus zu schaffen. Er meidet die Nähe von Menschen. Die aber kommen ihm immer näher, was zu Stress führt und sein Immunsystem beeinträchtigt. Deshalb ist es wichtig, dass sich Menschen nicht von den gekennzeichneten Wegen, Pisten und Loipen entfernen. Die Deutsche Wildtier Stiftung setzt sich auch deshalb für ausgewiesene Wildschongebiete ein, in denen Jagd, Tourismus und Wintersport begrenzt werden. In einigen europäischen Nachbarländern gibt es solche Schongebiete bereits.
Der Alpenschneehase soll systematisch erfasst werden
Noch ist nicht bekannt, wie viele Exemplare des Schneehasen es gibt. Das will die Stiftung im kommenden Jahr ändern und das Tier systematisch erfassen. Das soll die Grundlage dafür sein, Maßnahmen zum Schutz dieses und anderer Alpenbewohner zu entwickeln. Wenn Sie zwischen Dezember 2024 und Februar 2025 Alpenschneehasen sehen, bittet die Stiftung darum, die Sichtung an Schneehase@DeutscheWildtierStiftung.de zu melden (bitte Standort in Form von Geodaten, Datum, Uhrzeit, Zahl der Tiere und möglichst ein Foto mitschicken). Auf diese Weise sollen Erkenntnisse über die Verbreitung des Alpenschneehasen gesammelt werden. Übrigens: Wenn Sie mehr über das Tier wissen möchten, können Sie am 7. Januar 2025 zwischen 18 und 19 Uhr an einem Webinar teilnehmen.
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