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Die Violette Stendelwurz ist Orchidee des Jahres 2026

Die Violette Stendelwurz gehört zu den heimischen Orchideen, die man selten sieht. Das liegt auch daran, dass sie gern in schattigen Wäldern wächst. Vor allem aber liegt es daran, dass sie sehr selten ist. Jetzt wurde sie zur Orchidee des Jahres 2026 gekürt.

Die Violette Stendelwurz wächst in Wäldern

Bevorzugter Lebensraum der Violetten Stendelwurz (Epipactis purpurata) sind Buchen- und Eichen-Hainbuchenwälder, die zur Blütezeit der Orchidee im August noch dicht und deshalb ziemlich dunkel sind. Man muss also schon etwas suchen, um die Pflanze zu finden.
Wohl fühlt sie sich auch vor allem dort, wo Wasser in der Nähe ist. Gelegentlich sieht man die Violette Stendelwurz aber auch in Fichtenforsten.

Violett eingefärbter Stängel

Auf den ersten Blick hat die Violette Stendelwurz große Ähnlichkeit mit einer der häufigeren heimischen Orchideen, der Breitblättrigen Stendelwurz. Die Orchidee des Jahres 2026 aber hat einen violett gefärbten Stängel, und manchmal haben auch Teile der Blüte einen violetten Farbton. Die Laubblätter der Pflanze sind schmal und eiförmig und haben kräftige Adern.

Die Samenreife dauert bis in den November hinein

Die Orchidee wird bis zu 50 Zentimeter hoch und trägt viele Einzelblüten in großen Trauben. Sie werden von Schwebfliegen und Wespen bestäubt. Anschließend bilden sich Kapseln mit unzähligen staubfeinen Samen. Häufig dauert es bis in den November hinein, bis die Samen reif sind. Die trockenen Kapseln platzen dann auf und lassen ihre kostbare Fracht frei – Wind sorgt für die Verbreitung.

Lebensraum in Gefahr

Die Arbeitskreise heimische Orchideen haben die Violette Stendelwurz zur Orchidee des Jahres 2026 gewählt, um auf Bedrohungen in ihrem Lebensraum aufmerksam zu machen. Wenn sich die Lichtverhältnisse in den Wäldern ändern – etwa durch das Absterben von Bäumen oder durch Kahlschläge bei der Durchforstung –, haben die konkurrenzschwachen Orchideen gegen den Wildwuchs, der dann entsteht, keine Chance mehr. Außerdem verändert sich dadurch das Mikroklima, es wird trockener. Auch damit kommt die Pflanze nicht zurecht, sie benötigt ein ausgeglichenes Mikroklima mit ausreichend Luftfeuchtigkeit.

Verbiss durch Rehe

Hinzu kommt, dass Rehe eine Vorliebe für Orchideen haben und auch diese Art häufig fressen, bevor sie Samen bilden kann. Naturschützer stellen deshalb manchmal kleine Zäune auf, um Verbiss zu verhindern.

Deutschland ist Zentrum des Verbreitungsgebietes

In mehreren Bundesländern wurden schon starke Rückgänge der Stendelwurz-Population festgestellt. Dabei ist Deutschland das Zentrum des Verbreitungsgebietes in Europa, das von England über Frankreich bis nach Südosteuropa reicht. Am häufigsten ist die streng geschützte Pflanze in der Mitte und im Süden Deutschlands, in Brandenburg habe ich sie bisher noch nicht gesehen. Die Aufnahmen sind am Rand des Harzes entstanden.

Violette Stendelwurz: Das kann die Forstwirtschaft tun

Um die Bestände der Orchidee zu schützen, empfehlen Experten der Forstwirtschaft, bei Bewirtschaftungsmaßnahmen nur einzelne Bäume zu entnehmen. So kann eine Veränderung der Lichtverhältnisse vermieden werden.

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