Dass perfekt gemähte Rasen nicht gerade die Artenvielfalt fördern, kann man sich vorstellen. Und gerade deshalb sind die Brachen in der Stadt so wichtig. Die Baulücken mitten in Berlin, die Verkehrsinseln – Flächen, die nach und nach überwuchert werden. Genau solche Orte liebt eine seltene botanische Schönheit: der Feldrittersporn. Gerade wurde er von der Loki-Schmidt-Stiftung zur Blume des Jahres 2026 gekürt.
Der Feldrittersporn ist sehr selten
Consolida regalis ist der botanische Name des Feldrittersporn, und das klingt schon ein bisschen nach einem König („regalis“ bedeutet „königlich“). Tatsächlich ist die Pflanze, die kalkhaltige, humose Lehmböden liebt, sehr selten. In allen Bundesländern steht sie auf der Roten Liste der bedrohten Arten. In Norddeutschland, im Nordwesten und westlich des Rheins sieht man sie nur mit viel Glück, und in den anderen Regionen ist sie zwar etwas häufiger, aber ihre Zahl sinkt.
Intensive Landwirtschaft bedroht den Bestand
Bedroht ist der Feldrittersporn auf den Äckern vor allem durch Unkrautbekämpfung mit Herbiziden, das Verschwinden von Ackerrändern und dadurch, dass Saatgut immer gründlicher gereinigt wird. Wildblumen haben deshalb immer weniger Chancen. Aus diesem Grund hat die Loki-Schmidt-Stiftung den Feldrittersporn zur Blume des Jahres gekürt – sie will damit auf den dramatischen Artenschwund in den Agrarlandschaften aufmerksam machen. Die Pflanze steht für die Stiftung stellvertretend für viele Ackerwildkräuter, deren Bestände durch die intensive Landwirtschaft immer mehr zurückgedrängt werden.
Ihr langer Sporn gab der Pflanze den Namen
Der lange Sporn, der der etwa 30 Zentimeter hohen Pflanze den Namen gibt, ist auf dem Foto gut zu sehen. Auch die Knospen tragen diesen Sporn schon. Die Blüten sind blau-violett und erinnern in ihrer Form ein bisschen an die der Akelei. Übrigens gehört der Feldrittersporn zu den Hahnenfußgewächsen und ist damit zum Beispiel mit dem Winterling, der Sumpfdotterblume und der Küchenschelle verwandt.
Im Sommer kann man den Feldrittersporn neben anderen Ackerwildblumen wie der Kornblume, dem Frauenspiegel oder dem Sommeradonisröschen sehen.
Hummeln und Schmetterlinge bestäuben die Pflanze
Bestäubt wird der Feldrittersporn hauptsächlich von Hummeln und einigen Schmetterlingsarten. Nur Insekten mit langem Rüssel erreichen den Nektar und nehmen den Pollen dann auf dem Rückweg mit. Etwas später reifen die Früchte heran, deren Mechanismus ähnlich funktioniert wie beim Springkraut: Wenn die Samen reif sind, trocknen die Kapseln, die sie umhüllen – und bei Berührung werden die Samen fortgeschleudert.
Der Feldrittersporn liebt Brachflächen
Bevorzugte Standorte des Feldrittersporns sind Äcker, Ödland und Brachen. Nur auf extensiv bewirtschafteten Äckern, auf denen Wildkräuter stehenbleiben dürfen, kann er, ähnlich wie die Kornblume, überleben. Das macht die innerstädtischen Brachen noch wichtiger, weil sie Rückzugsflächen für viele Tier- und Pflanzenarten geworden sind. Das Exemplar auf dem Foto wuchs direkt neben einem Radweg in Schöneberg.
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