Er kann bis zu 1,60 Meter lang, 40 Kilogramm schwer und locker 25 Jahre alt werden – wenn man ihn lässt: Die Rede ist vom Dorsch, den viele Menschen als Kabeljau kennen. Gerade wurde er vom Deutschen Angelverband zum Fisch des Jahres 2024 gekürt.
Der Dorsch ist auch als Kabeljau bekannt
Der Dorsch (Gadus morhua) lebt in den Küstengewässern. An der Ostsee ist er als Dorsch bekannt, an der Nordsee und im nördlichen Pazifik vor allem als Kabeljau. Lange war er einer der häufigsten Fische der Ostsee und des Nordatlantiks mit einer großen wirtschaftlichen Bedeutung. Denn der Dorsch ist ein beliebter Speisefisch. Inzwischen aber ist sein Bestand durch Überfischung, Klimawandel und Nährstoffeinträge bedrohlich zurückgegangen.
Ein Weibchen legt bis zu 7,5 Millionen Eier
Dabei gilt der Dorsch als äußerst fruchtbar: Ein 15 Kilogramm schweres Weibchen kann bis zu 7,5 Millionen Eier legen! Trotzdem sind die Zahlen so drastisch zurückgegangen, dass der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) ihn als gefährdet einstuft und vor einer weiteren Dezimierung warnt. Denn der Dorsch ist nicht nur ökonomisch, sondern auch ökologisch wichtig.
Fangmengen immer stärker gesenkt
In der westlichen Ostsee sind die Fangmengen seit Jahren immer mehr gesenkt worden. 2023 wurden noch 489 Tonnen gefangen, 2024 sind nach Informationen des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft nur noch 340 Tonnen erlaubt. Für Freizeitangler gibt es dann keine Ausnahme mehr (bisher war ein Dorsch pro Tag erlaubt).
Grundschleppnetzfischerei beschädigt den Meeresboden
Besonders problematisch ist die Grundschleppnetzfischerei. Sie beschädigt den Meeresboden und zerstört die Laichgebiete der Dorsche. Hinzu kommt, dass die Netze Sediment aufwirbeln, wodurch algenwachstumsfördernde Nährstoffe, die sich schon abgelagert hatten, wieder in die Wassersäule gelangen. Das wirkt sich aufs gesamte Ökosystem aus.
Nährstoffeinträge reduzieren
Damit sich die Dorsch-Bestände erholen, betonen Wissenschaftler, dass Nährstoff- und Schadstoffeinträge reduziert und die Lebensräume aufgewertet werden müssen. Tatsächlich ist der Dorsch von den Veränderungen am Meeresboden besonders getroffen. Um das zu erklären, muss ich etwas ausholen.
Stickstoff- und Phosphoreinträge aus der Landwirtschaft sorgen für starkes Wachstum von Grünalgen und im Sommer von Blaualgen – sie sinken nach dem Absterben auf den Meeresboden und werden von Mikroorganismen mit Hilfe von Sauerstoff zersetzt. Das verbraucht Sauerstoff. Ohne den aber können Pflanzen und Tiere unter Wasser nicht überleben. Und jetzt kommt wieder der Dorsch ins Spiel: Seine Eier brauchen einen Salzgehalt von etwa elf Promille, um im Wasser zu schweben. Diesen Salzgehalt gibt es meist in Wassertiefen ab 70 Metern – und wenn diese Wasserschicht sauerstofffrei ist, sterben die Eier ab.
Bartfaden am Unterkiefer
Der Dorsch hat einen langgestreckten Körper mit drei Rücken- und zwei Afterflossen. Der Oberkiefer steht vor und am Unterkiefer trägt er einen Bartfaden. Seine Farbe am Rücken und den Seiten bewegt sich zwischen grau, grünlich und sandbraun, am Bauch ist er heller. Sein Lebensraum erstreckt sich von Nordkanada und der nordamerikanischen Atlantikküste über Grönland, Island und Spitzbergen bis zur Barentssee und zum Golf von Biskaya. Auch in der Nord- und Ostsee lebt er, allerdings nicht im Bottnischen Meerbusen.
Jagd auf Muscheln und Krebstiere
Der Fisch lebt in Gewässern von null bis 20 Grad, meist in 150 bis 200 Metern Tiefe, meist am Meeresboden. Nur die Jungtiere leben eher in flachem Wasser. Tagsüber sind sie in Gruppen unterwegs, nachts gehen sie allein auf Nahrungssuche.
Sie sind gefräßige Räuber, die sich von anderen Fischen, Muscheln, Krebstieren und Würmern ernähren. Aber sie stehen auch selbst auf der Speisekarte von Schweinswalen, Robben oder Kormoranen.
Dorsch: fünf Jahre bis zur Durchschnittsgröße
Fortpflanzungszeit des Dorsches ist zwischen Februar und April. Zu den beliebtesten Laichplätzen in Europa gehören die norwegische Küste und die Lofoten. Die Eier sind nur 1,5 Millimeter groß, die Larven brauchen je nach Wassertemperatur zwei bis vier Wochen, bis sie schlüpfen. Anfangs sind sie nur fünf Millimeter lang – bis sie das durchschnittliche Gewicht eines erwachsenen Tieres erreicht haben, dauert es fünf Jahre. Leider werden viele Dorsche schon vor dem ersten Laichen gefangen.
Tipp: Naturschutzverbände wie der WWF halten Einkaufsratgeber bereit, die darüber informieren, worauf Sie beim Kauf von Fisch achten sollten.
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