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Einbeere: Die Blume des Jahres 2022 liebt naturnahe Wälder

Jedes Jahr kürt die Loki-Schmidt-Stiftung eine Pflanze zur Blume des Jahres. 2022 hat sie die Vierblättrige Einbeere ausgewählt – ein Gewächs mit spektakulärem botanischem Namen und einem Talent, sich beinahe unsichtbar zu machen.

Bestände der Einbeere gehen zurück

Noch ist die Einbeere in Deutschland ziemlich verbreitet, aber an vielen Orten sind ihre Bestände in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Deshalb steht sie inzwischen in sechs Bundesländern auf der Roten Liste der gefährdeten Pflanzen. Grund genug, auf die Vierblättrige Einbeere (Paris quadrifolia) aufmerksam zu machen.

Blütezeit ist im Mai und Juni

Man muss wirklich gut aufpassen, um das nur etwa 30 Zentimeter hohe Gewächs nicht zu übersehen. Mit dem schlanken Stängel, von dem knapp unterhalb der Blüte vier Blätter abstehen, fällt sie im Wald auf den ersten Blick nicht auf. Auch die grüne Blüte (siehe großes Foto) sind eher unscheinbar. Blütezeit ist im Mai und Juni.

Die Früchte sind giftig

Bestäubt werden die geruchlosen Blüten vor allem von Fliegen, die von den schwarzglänzenden Fruchtknoten in der Mitte angelockt werden. Anschließend bildet sich die namensgebende Beere. Sie ist blauschwarz und hat große Ähnlichkeit mit einer Heidelbeere.

Aber Vorsicht: Die Früchte der Einbeere sind giftig. Das liegt an den darin (und in der ganzen Pflanze) enthaltenen Saponinen und Glykosiden. Der Genuss der Beeren kann Brechreiz, Schwindel und Magenkrämpfe verursachen, Besonders für Kinder sind die Beeren gefährlich. Auch Hunde sollten Sie lieber fernhalten.

Paris und die streitenden Göttinnen

Woher der eindrucksvolle Name „Paris“ kommt, ist nicht ganz sicher – eventuell hat er mit „par“ („gleich“) zu tun, eventuell aber auch mit dem trojakinschen Prinzen Paris. Demnach ist die Beere ein Symbol für den Erisapfel, die Laubblätter stehen für Paris und die drei streitenden Göttinen Aphrodite, Athene und Hera.

Einbeere mit Fruchtstand
Einbeere mit Fruchtstand F.: S. Böttcher

Kurze Erläuterung: Der Mythologie zufolge hat die Göttin Eris bei der Hochzeit von Peleus und Thetis einen mit dem Satz „Für die Schönste“ beschrifteten goldenen Apfel zwischen die Göttinen Aphrodite, Athene und Hera geworfen haben – sie war wütend, dass man sie nicht eingeladen hatte. Prompt kam es zum Streit zwischen den drei Göttinnen: Wem soll der Apfel gehören? Zeus befahl daraufhin Paris, eine Entscheidung zu treffen. Weil ihm Aphrodite die Liebe der schönen Helena versprach, stimmte Paris für sie. Ein paar Haken hatte das Ganze allerdings, denn Helena war mit dem König von Sparta verheiratet – und so wurde das Urteil von Paris einer der Auslöser des Trojanischen Krieges.

Vorliebe für naturnahe Wälder

Jetzt aber zurück zur Einbeere, die mit dieser Geschichte eine ordentliche Last zu tragen hat. Ihr bevorzugter Standort sind feuchte und nährstoffreiche Böden in naturnahen, wilden und alten Wäldern. Diese Biotope gehören zu den artenreichsten überhaupt. Wo Alt- und Totholz nicht entfernt wird, finden Eulen, Schwarzstorch und Rotmilan Rückzugsgebiete, außerdem leben hier viele auch sehr seltene Käferarten.

Monokulturen in der Forstwirtschaft

Das Problem: Wilde Wälder ohne forstwirtschaftliche Nutzung gibt es in Deutschland kaum noch. Gerade mal drei Prozent der Waldfläche zählen dazu. In solchen Wäldern wachsen vor allem Rotbuchen – in forstwirtschaftlich genutzten Wäldern sind es dagegen überwiegend Kiefern und Fichten, die oft in Monokultur herangezogen werden. Hinzu kommt, dass die Waldöden oft entwässert werden und unter Stickstoffeinträgen durch die Landwirtschaft leiden. Auch die schweren Forstmaschinen schädigen Wald und Boden.

Symbol für wilde Wälder

Wenn man bedenkt, welche Bedeutung Wälder für das Klima haben, wird es höchste Zeit, umzudenken und Wälder weniger bzw. naturnäher zu bewirtschaften. Auch darauf möchte die Loki-Schmidt-Stiftung mit der Wahl der Blume des Jahres hinweisen. Die Vierblättrige Einbeere steht damit stellvertretend für diese Wälder.

Spendensammlung für Waldflächen-Kauf

Auch Sie können dazu beitragen: Die Stiftung sammelt zurzeit Spenden, um den größten zusammenhängenden Laubwald im Alten Land bei Hamburg zu kaufen. Der ist mit seinem undurchdringlichen Unterholz ein Rückzugsort für Kleinspecht, Mäusebussard und Sperber. 14 naturnahe, artenreiche Wälder hat die Stiftung schon gekauft, um sie zu schützen. Das ist wirklich aktiver Naturschutz!

Weitere Informationen über die Einbeere

Im Shop der Stiftung können Sie Broschüren zur Einbeere, einen wunderschönen Fotokalender mit Bildern der Einbeere und ihres Lebensraums und Samenpostkarten mit Wildblumensamen kaufen. Auch Führungen und Veranstaltungen sind 2022 wieder geplant. Die erste findet online statt: Hier können Sie sich für den Vortrag aus der Reihe „Loki digital am Abend“ am 17. November um 19 Uhr anmelden.

Hier finden Sie Infos zu den gekauften und gepachteten Wäldern.

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