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Beethoven und die Goldammer

Die Goldammer ist eine der Vogelarten, die man auch im Winter sehen kann. Da sorgt sie dann für etwas Farbe, denn sie macht ihrem Namen alle Ehre. Das gilt vor allem für die Männchen: Sie sind während der Balzzeit besonders kräftig gefärbt, um Weibchen anzulocken. Die Farbe trägt die Goldammer (Emberiza citrinella) sogar in ihrem wissenschaftlichen Namen: „citrinella“ bedeutet nämlich „goldgelb“.

Die Goldammer erkennen

Man muss etwas genauer hingucken, um die Goldammer vom Erlenzeisig und dem Girlitz zu unterscheiden. Alle drei sind gelb, die Goldammer ist mit einer Körperlänge von bis zu 17 Zentimeter am größten. Im Vergleich zum Girlitz hat sie einen längeren Schwanz, der zudem weiße Außenkanten hat, und außerdem trägt sie Streifen im Gesicht und hat einen leuchtend gelben Brust- und Kehlenbereich. Der etwas blassere Girlitz ist an den Seiten weiß mit dunklen Streifen und einen eher kurzen Schwanz. Den Erlenzeisig wiederum kann man gut an der schwarzen Kappe am Kopf erkennen.

Nahrungssuche auf Feldern und in Gärten

Im Winter ist die Goldammer häufig in Scharen unterwegs, man kann sie dann bei der Nahrungssuche auf Feldern oder in Gärten sehen. Sie gilt als echte Kulturfolgerin, die die Nähe des Menschen zu schätzen weiß. Ansonsten sind offene und halboffene Bereiche wie Waldlichtungen, Obstwiesen, Weinberge, Feldränder und Heidelandschaften ihre bevorzugten Lebensräume. Dort suchen sie nach Samen, aber während der Brutzeit verschmähen sie auch Insekten und Spinnen nicht.

„Wie wie wie hab ich dich lieeeb“

So auffällig wie ihr Aussehen ist auch der Gesang der Goldammer, der – anders als bei anderen Vögeln auch im Hochsommer zu hören ist: hoch und kurz sind die gesungenen Silben, mal „zik“, mal „titititi“, das man mit etwas Phantasie mit „wie wie wie hab ich dich lieeeeb“ übersetzen kann. Diese Übersetzung ist jedenfalls eine gute Methode, den Gesang zu erkennen. Besonders gerne singt die Goldammer übrigens von Zaunpfählen aus.

Inspiration für Beethoven und Eichendorff

Der schöne Gesang des Vogels hat schon berühmte Künstler inspiriert. So hat Ludwig van Beethoven das „wie wie wie hab ich dich lieeeb“ in seiner 5. Symphonie verwendet und der Dichter Joseph von Eichendorff schrieb im „Aus dem Leben eines Taugenichts“ ebenfalls über die Goldammer, die die unterschiedlichen Stimmungen der Jahreszeiten widerspiegelt.

Brautgeschenk für das Weibchen

Die Brutzeit der Goldammer beginnt meist im April. In manchen Jahren ziehen die Vögel zwei Bruten groß. Für die Balz nutzt das Männchen nicht nur sein schönes Gefieder, sondern auch den Gesang. Und wenn ein Weibchen Interesse zeigt, kann es passieren, dass das Männchen ihm als „Brautgeschenk“ Grashalme überreicht.

Der Nachwuchs bleibt nur 14 Tage im Nest

Die werden dann in das Nest eingebaut, das in offenem Gelände am Boden in dichtem Gebüsch entsteht. Das Weibchen legt bis zu fünf Eier, die es etwa 14 Tage lang ausbrütet. In dieser Zeit bringt das Männchen ihm ab und zu etwas zu fressen. Der Nachwuchs hat es eilig – er bleibt nur maximal zwei Wochen im Nest.

Der Vogel ist in Deutschland selten geworden

Goldammern sind zwar das ganze Jahr über bei uns zu sehen, aber einige sind Kurzzieher und verbringen den Winter etwas weiter südlich, während andere aus Nord- bzw. Osteuropa zu uns kommen. Obwohl sie zu den ganz typischen Vögeln auf den Feldern gehören, sind sie leider in Deutschland inzwischen selten geworden. Sie stehen auf der Vorwarnliste der Roten Liste.

Hilfe für die Goldammer

Aber Sie können etwas für sie tun, indem Sie ein Futterhaus im Garten aufstellen. Die Vögel kommen gerne und suchen auf dem Boden nach heruntergefallenen Samen. Hilfreich ist zudem, wenn Sie Ihren Garten nicht zu sehr „aufräumen“. Lassen Sie im Winter einige getrocknete Pflanzen stehen oder verteilen Sie deren Samen auf dem Boden.

Am besten geeignet sind samenreiche Stauden und heimische Sträucher. Und vielleicht greifen Sie in Zukunft häufiger mal zu ökologisch erzeugten Lebensmitteln – im biologischen Landbau bleiben abwechslungsreiche Landschaften erhalten und auf Pestizide wird verzichtet.

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