Kategorien
Mal raus Wildes Berlin

Sensibel und gefährdet: die Großtrappe

Die Großtrappe ist ein gewaltiger Vogel – und sie hat ein großes Problem. Man kann buchstäblich dabei zugucken, wie ihr Lebensraum immer kleiner wird. Das hat dazu geführt, dass Großtrappen nur noch wenige Rückzugsflächen finden. In der Natur um Berlin kann man sie nur noch im Fiener Bruch, im Havelländischen Luch und auf den Belziger Landschaftswiesen im Westen Brandenburgs sehen. Mit viel Glück. Grund genug, ihnen in diesem Blog mal eine Geschichte zu widmen. 

Großtrappen-Männchen wiegen bis zu 15 Kilogramm

Bis zu 15 Kilogramm bringen männliche Großtrappen auf die Waage, sie werden mehr als einen Meter lang. Dabei haben sie eine Flügelspannweite von bis zu 2,60 Metern. Die Weibchen sind mit maximal 5,3 Kilogramm deutlich leichter und auch wesentlich kleiner.

Tarnung mit Federbart

Die Tiere, die zu den schwersten flugfähigen Vögeln der Welt gehören, sind braun gemustert. Kopf und Hals sind weiß, sie tragen eine braune Halskrause, die Männchen schmücken sich mit einem eleganten Federbart. Flügel und Schwanzfedern haben eine schwarz-weiß-braune Musterung, die den Vogel in der Steppenlandschaft beinahe unsichtbar macht.

Eindrucksvolle Balz

Spektakulär ist die Balz, die bei mildem Wetter schon im Februar beginnt und bis zum Frühsommer anhalten kann. Besonders gut beobachten kann man sie von Anfang April bis Ende Mai, vor allem in den Morgen- und Abendstunden. Es ist eine Zurschaustellung der Hähne, die sich zu gewaltigen Bällen aufplustern – die Flügel werden verdreht und die Schwanzfedern nach vorne geklappt -, dann blasen sie den Kehlsack auf und biegen den Kopf nach hinten. 

Für die Männchen ist die Arbeit nach der Paarung erledigt – die Weibchen kümmern sich allein um den Nachwuchs.

Ein Nest auf dem Boden

Brutzeit der Großtrappe ist zwischen Ende April und Anfang Mai. Die Henne scharrt eine flache Mulde in den Boden und legt bis zu drei olivgrüne Eier, die sie etwa 21 Tage lang ausbrütet.

Küken werden schnell selbständig

Schon einen Tag nach dem Schlüpfen können die Küken das Nest verlassen. Nur ein paar Tage lang werden sie von der Mutter mit Futter versorgt, danach suchen sie selbst nach Nahrung. Auf dem Speiseplan stehen Samen, Kräuter und Früchte, aber auch Insekten und gelegentlich ein Kleinsäuger.  

Die Großtrappe liebt ausgedehnte Wiesenflächen

Der Lebensraum der äußerst scheuen Großtrappe (Otis tarda) sind ausgedehnte Niederungen, Acker- und Wiesenflächen mit wenig Niederschlägen und vor allem wenig Störungen. Und genau dort liegt das Problem: Viele Grasflächen werden in Ackerland verwandelt, die intensive Landwirtschaft führt dazu, dass Kulturpflanzen so dicht stehen, dass die Großtrappenküken sich darin nur schwer bewegen können.

Ein hoher Schutzdamm entlang der Eisenbahnlinie

Sogar in die Schlagzeilen hat es die Großtrappe schon geschafft – 1996, als die Eisenbahnstrecke zwischen Berlin und Hannover ausgebaut und direkt durch das Trappengebiet im Havelländischen Luch geführt wurde. Um die Vögel zu schützen, wurden unter anderem streckenweise ein sieben Meter hoher Damm aufgeschüttet, das Fahrtempo reduziert und Ausgleichsflächen aufgewertet.

Zahl der Vögel hat sich erhöht

Die Maßnahmen hatten Erfolg: Die Zahl der Großtrappen erhöhte sich in ganz Deutschland auf heute 337 Vögel. Im Havelländischen Buch wurden im März 123, in den Belziger Landschaftswiesen 95 und im Fiener Bruch 119 Vögel gezählt. Tendenz überall: steigend.

Auswilderung von Jungtieren

Von den 3400 Großtrappen, die es um 1930 noch in der Mark gab, ist das natürlich noch weit entfernt, aber die Chancen für die eindrucksvollen Vögel stehen nicht mehr so schlecht. Unterstützt werden die streng geschützten Vögel durch Naturschützer, die zum Beispiel bei der Auswilderung von Jungtieren helfen und das Thema Großtrappe immer wieder in die Öffentlichkeit bringen, um die Bevölkerung dafür zu sensibilisieren.

Hier können Sie Großtrappen sehen

Wer die eindrucksvollen Großtrappen sehen möchte, kann sein Glück von den Beobachtungstürmen im Fiener Bruch aus versuchen, das zwischen Ziesar und Genthin in Sachsen-Anhalt liegt. Führungen finden in diesem Jahr wegen Corona leider nicht statt – Naturfreunde können aber auf eigene Faust losziehen. Achtung: Einige Beobachtungstürme sind gesperrt.

Informationen über die Großtrappen finden Sie auf der Seite des Fördervereins Großtrappenschutz und in einem Infoheft des Brandenburgischen Umweltministeriums

Ähnliche Artikel:

Besuch bei der Bekassine

Gefährdeter Brandenburger: der Schreiadler

Anzeige:

Teilen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.