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Ehrung für die Kleine Pechlibelle

Die Kleine Pechlibelle macht dem ersten Teil ihres Namens wirklich alle Ehre: Sie ist nur etwa drei Zentimeter lang. Sie ist damit eine der kleinsten Libellen in Mitteleuropa. Gerade wurde sie von der Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen (GdO) und dem BUND zur Libelle des Jahres 2022 gekürt.

Die Kleine Pechlibelle misst nur drei Zentimeter

Ihre geringe Größe trägt sie sogar in ihrem wissenschaftlichen Namen Ischnura pumilo. „pumilo“ bedeutet „Zwerg“. Das zarte Geschöpf, das zur Familie der Schlanklibellen gehört, ist eine Herausforderung für alle, die es bestimmen wollen. Das liegt daran, dass es im Laufe seiner Entwicklung einige Male die Farbe verändern. Junge Weibchen (siehe Foto) ist kräftig orange gefärbt – ein deutliches Signal für paarungsbereite Männchen. Wenn die Weibchen älter sind, färben sie sich hell- bis olivgrün. Männchen dagegen sind anfangs beinahe weiß, später gelbgrün und schließlich blau.

Winzige Unterschiede zur größeren Verwandten

Das Insekt kann leicht mit der Großen Pechlibelle verwechselt werden. Die Unterschiede sind (abgesehen von der Größe) minimal: Bei der Kleinen zieht sich das hellblaue Hinterleibsende über das achte und das neunte Segment, bei der Großen ist nur das achte Hinterleibssegment hellblau gefärbt.

Vier Stunden Paarungszeit

Unterwegs ist die Kleine Pechlibelle zwischen Ende Mai und Anfang Sptember. In dieser Zeit wachsen nicht selten zwei Generationen heran. Bei der Paarung ist das Insekt Rekordhalter: Vier Stunden sind nicht ungewöhnlich! Anschließend legt das Weibchen die Eier an Algen oder an im Wasser liegenden Grashalmen ab. Die Larven verteilen sich sofort nach dem Schlüpfen auf dem Wasser, sie halten Abstand zu ihren Geschwistern.

Jagd nach kleinen Insekten

Wichtige Nahrung der Kleinen Pechlibelle sind Kleininsekten wie Mücken, die sie im Flug fangen – ihre Beine werden dabei zu einem Fangkorb. Auch kleine Zikaden, die auf Grashalmen sitzen, gehören zu den Beutetieren.

Vorliebe für flache Gewässer

Bevorzugter Lebensraum für die Kleine Pechlibelle sind naturnahe Auen mit flachen Gewässern, die sich schnell erwärmen und von wenig Vegetation umgeben sind. Auch Flusstäler, die gelegentlich überflutet werden und auf denen dann zeitweise Tümpel entstehen, gehören dazu. Sogar mit Wasser gefüllte ehemalige Kiesgruben oder Radspuren auf Wegen besiedelt sie gerne. Das macht sie zu einer Pionierart. Sie bleibt meist nur einige Jahre an einem solchen Ort. Sobald dort mehr Pflanzen wachsen, sucht sie sich einen neuen Lebensraum.

Hilfe für die Kleine Pechlibelle

Problematisch wird es nur, wenn diese Gewässer austrocknen – und das ist leider eine der Folgen des Klimawandels. Die Kleine Pechlibelle und viele andere Arten brauchen deshalb die Hilfe des Menschen. Wo Auen und Fließgewässer renaturiert werden, taucht die Libelle, die vielerorts auf der Roten Liste der gefährdeten Arten steht, wieder häufiger auf. Der BUND beispielsweise setzt sich schon lange an der Hohen Garbe bei Cumlosen im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe (Sachsen-Anhalt) für die Renaturierung der Elbauen ein.

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