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Gestatten: Doktor Meerrettich

Er ist scharf und hat erstaunliche medizinische Fähigkeiten: der Meerrettich. Die meisten kennen ihn allerdings nur als weiße Paste. Das wollen die Mitglieder des NHV Theophrastus ändern. Sie haben das Gewächs zur Heilpflanze des Jahres 2021 gekürt.

Meerrettich ist Heilpflanze des Jahres 2021

„Meerrettich hat als Heilpflanze ein großes und leider bisher zu wenig ausgeschöpftes Potenzial“, bedauert der Erste Vorsitzende des Vereins, Konrad Jungnickel. Denn wer weiß schon, dass die Pflanze entzündungshemmend, antiviral und antibakteriell wirkt?

In Mitteleuropa wird er kultiviert

Die Pflanze (Armoacia rusticana) ist aus Ost- und Südeuropa zu uns gekommen. In Mitteleuropa wird sie kultiviert, manchmal kann man sie aber auch verwildert in der Natur sehen.

Ein Riese, der Frost verträgt

Meerrettich wird bis zu 1,20 Meter hoch. Mit Kälte kommt er gut zurecht, er erträgt bis zu minus 50 Grad Frost. Seine Laubblätter sind passend zur Größe der Pflanze sehr groß – zumindest die unteren. Weiter oben sind sie klein und schmal.

Weiße Blüten

Blütezeit ist zwischen Mitte Mai und Juli. Die Pflanze, die zur Familie der Kreuzblütler gehört, bildet dann traubige Blütenstände mit weißen Blüten, die sehr intensiv duften.

Seine Wurzeln werden bis zu 60 Zentimeter lang

Meerrettich hat eine Vorliebe für feuchte Böden, er kann sogar im Moor gedeihen. Wenn die Voraussetzungen gut sind, bildet er bis zu 60 Zentimeter lange Wurzeln, in weniger idealen Böden kommen sie aber immerhin auch noch auf 30 bis 40 Zentimeter. Die Wurzeln sind außen braun-gelb und innen weiß.

Rätselraten um den Namen

Es gibt unterschiedliche Ansichten darüber, woher der Namensteil „Meer“ kommt. Mancher Wissenschaftler meint, er habe damit zu tun, dass die Pflanze auch an Küsten wächst. Andere sind überzeugt, dass es die Unterscheidung zum Rettich ist. Demnach wäre Meerrettich also „Mehr (oder größerer) Rettich“. Eigentlich logisch, oder?

Fein gerieben und
sehr würzig

In Süddeutschland und Österreich ist die scharfe Wurzel auch als Kren bekannt. Feinschmecker lieben sie als Würze für Fleisch- und Fischgerichte, Gemüse und Saucen. Verwendet wird die Wurzel. Sie wird geschält und gerieben und sollte dann sofort gegessen werden, denn ihre ätherischen Öle sind sehr flüchtig.

Reich an Vitaminen und Mineralstoffen

Diese Öle sind in Verbindung mit den Vitaminen C, B1, B2 und B6), Eisen, Kalium, Kalzium, Magnesium, Phosphor, Flavonen, allicin und organischen Schwefelverbindungen für die Heilkräfte des Meerrettichs verantwortlich. Geschmack und Geruch kommen von Allyl- bzw. Butylsenföl, die vor allem in der frischen Wurzel stecken.

Seit dem Mittelalter bekannt

Schon im Mittelalter waren die Heilkräfte des Meerrettichs bekannt. Man nahm die Wurzeln auf Seefahrt mit – sein hoher Gehalt an Vitamin C machte ihn zum guten Schutz vor der Mangelkrankheit Skorbut.

Schutz vor Erkältungen und Gicht

Heute nutzt man seine Wirkstoffe als Mittel zur Stärkung der Abwehrkräfte und zum Schutz vor Erkältungen.

Die Wurzel regt den Kreislauf an, wirkt hustenlösend und kann, zu Brei verrührt und auf die Haut gegeben, Linderung bei Gicht, Rheuma, Ischias-Beschwerden und Insektenstichen bringen.

Auch gegen Magen-Darm-Probleme kann man ihn verwenden, denn er unterstützt die Fettverdauung.

Die Wurzel soll sogar vor Krebs schützen

Sehr eindrucksvoll ist zudem die antibiotische, antimikrobielle, pilztötende und sogar krebsvorbeugende Wirkung der Inhaltsstoffe. Meerrettich hat damit eine ähnliche Wirkung wie Knoblauch.

Im Winter täglich auf den Teller

Die gesunde Wirkung spüren Sie auch, wenn Sie Meerettich essen. Jungnickel: „Meerrettich sollte – zumindest in der kalten Jahreszeit – Bestandteil des täglichen Speiseplans sein.“

Lecker: Meerrettich-Rote-Bete-Aufstrich

Bekannt ist die Version mit Sahne, die zum Beispiel auf geräuchertem Lachs wunderbar schmeckt. Mit Butter, Brühe, Sahne und etwas Mehl wird er zur leckeren Sauce, die zum Beispiel zu Tafelspitz passt. Und probieren Sie doch mal einen Meerrettich-Rote-Bete-Aufstrich!

Dafür brauchen Sie 250 Gramm gekochte Rote Bete, 75 Gramm Sonnenblumenkerne, zwei Esslöffel mildes Pflanzenöl, je zwei Teelöffel Essig und Zitronensaft und zwei Teelöffel Meerrettich aus dem Glas. So geht’s: Rote Bete in Würfel schneiden, Sonnenblumenkerne fein mahlen. Zusammenmischen und dann Öl, Zitronensaft, Essig und Meerrettich dazugeben. Gut vermischen. Nach Bedarf noch Salz hinzufügen. Guten Appetit!

Meerrettich
Blätter der Meerrettich-Pflanze Foto: NHV Theophrastus

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