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Die Moor-Birke liebt feuchte Untergründe

Birken gehören mit ihrer weißen Rinde zu den auffälligsten heimischen Bäumen. Trotzdem gibt es eine Form, die wenig bekannt ist: die Moor-Birke. Gerade wurde sie von der Dr. Silvius-Wodarz-Stiftung zum Baum des Jahres 2023 gekürt.

Zwei Verwandte: Sand- und Moor-Birke

In Mitteleuropa gibt es zwei Birkenarten. Die bekanntere ist die Sand-Birke, die als Sinnbild des Frühlings gilt und in Europa, Nordamierika und Asien heimisch ist. Sie hat wenig Ansprüche an ihren Standort und wächst auf trockenen, aber auch feuchten, nährstoffreichen, aber auch nährstoffarmen Böden. Auch Steine oder Lehm machen ihr nichts aus, nur auf viel Licht legt sie Wert. Sie gilt als Pionierbaumart, die schnell neue Standorte besiedelt. Und sie spielt als Lebensraum für speziell angepasste Arten eine wichtige Rolle (z.B. Birkenzeisig oder Birkenblattroller).

Nasse Füße und kühles Klima

Das Verbreitungsgebiet der Moor-Birke (Betula pubescens) ist groß. In Süd-Grönland, Island und Skandinavien kommt sie ebenso vor wie im milden Mitteleuropa. Während sie große Kälte problemlos aushält, mag sie viel Wärme nicht – in Südeuopa gibt es sie deshalb nicht. In den Alpen kann man sie bis an die Baumgrenze sehen. Sie wächst in Moor- und Bruchwäldern, Niedermooren und Auenwäldern, auf Fluss-Sandbänken und am Rand von Hochmooren. Die Böden müssen feucht bis staunass, kalkarm und sauer sein.

Flache Wurzeln mit breitem Teller

Mit ihren Wurzeln reicht die Moor-Birke nur etwa 40 Zentimeter tief, aber dafür bis zu 25 Meter in die Breite. Das schützt sie vor allzuviel Nässe, denn die Wurzeln bleiben oberhalb des mittleren Wasserlevels. Wenn der Wasserspiegel dauerhaft ansteigt, stirbt der Baum ab. Das geschieht zum Beispiel bei einer Renaturierung des Moores. Aber auch ein Absinken des Wasserspiegels ist tödlich für den Baum.

Pionierbaum, der den Boden für andere bereitet

Wie die Sand-Birke ist auch die Moor-Birke eine Pionierin, die sich schnell ansiedelt und den Boden für andere Baumarten bereitet. Weil ihre Laubkrone sehr licht ist, können unter ihr auch andere Bäume ohne Lichtmangel heranwachsen. Sie selbst allerdings kommt mit großer Sonneneinstrahlung nicht gut zurecht.

Der Baum wird meist nur 80 Jahre alt

Schon mit fünf bis zehn Jahren blüht sie zum ersten Mal, was für Bäume ungewöhnlich ist. Ihre Samen sind klein, leicht und geflügelt und werden vom Wind verbreitet. Vielleicht beeilt sie sich so mit dem Blühen, weil sie nicht sehr alt wird. Im Schnitt sind es 80 Jahre, seltener bis zu 130 Jahre.

Warum die Birke eine weiße Rinde hat

Übrigens ist die weiße Rinde der Birken keine Laune der Natur. Darin stecken farblose, nadelförmige Kristalle (Betulin-Kristalle), die das einfallende Licht reflektieren und den Baum vor Überhitzung schützen. Außerdem macht das Betulin die Rinde wasserundurchlässig. Unsere Vorfahren wussten das und nutzten astlochfreie Rindenstücke, um Dächer zu decken, Schuhe und Taschen zu fertigen und Boote wasserfest zu machen.

Die seltenere der beiden Birkenarten

Die Birke gehört zu den Bäumen, die schon seit der Eiszeit vor etwa 12.000 Jahren in Mitteleuropa wachsen. Ursprünglich bedeckte sie ganze Wälder. Sie sorgte dafür, dass die eiszeitlichen Böden für andere Baumarten ausreichend fruchtbar wurden. Als sich Kiefer, Hasel und später die heute typischen Waldbäume ansiedelten, wurde die Birke auf andere, weniger günstige Flächen verdrängt. Die Sand-Birke besiedelte die eher trockenen und sandigen, die Moor-Birke die feuchten, kalten und moorigen Standorte. Sie ist deutlich seltener, ihr Anteil am Gesamt-Birkenbestand liegt nur bei etwa zehn Prozent.

Übergangs- und Hochmoore

Trotzdem gibt es sogar reine Moor-Birkenwälder! Sie entstehen vor allem dort, wo es jüngere, noch nicht in die Höhe gewachsene Hochmoore, sogenannte Übergangsmoore gibt. Diese Wälder entstehen zudem auf einstigen Moorflächen, die abgetorft wurden und renaturiert werden.

Artenreiches Biotop

Moor-Birkenwälder sind übrigens sehr artenreich. Und wichtige Rückzugsflächen für spezialisierte Tier- und Pflanzenarten, etwa Käfer, Wanzen, Schmetterlinge, Wespen und Käfer. Es gibt sogar einen Pilz (Birkenpilz) der eine Symbiose mit der Moor-Birke eingeht. Der Birkenporling wiederum ist ein holzzersetzender Pilz, der ausschließlich die Moor-Birke befällt.

Moorentwässerung setzt CO2 frei

Leider sind gerade die Gebiete, die von der Moor-Birke besiedelt werden, in Deutschland besonders gefährdet. Viele Moore werden entwässert, um sie zu landwirtschaftlich nutzbaren Flächen zu machen. Immerhin sind Moor-Birkenwälder inzwischen gesetzlich geschützt. Die Wahl zum Baum des Jahres soll darauf aufmerksam machen, wie wichtig Moore nicht nur für die Birke, sondern generell für die Artenvielfalt sind. Mehr noch: Moore speichern sehr große Mengen an klimaschädlichem CO2. Entwässerung sorgt dafür, dass diese Gase freigesetzt werden. Heute stammen sieben Prozent der deutschen Emissionen aus zerstörten Moorflächen!

Moor-Birke: Mehr Schutz für Feuchtgebiete

Ein bisschen Grund zur Zuversicht gibt es aber: 2021 hat die Bundesregierung eine Nationale Moorschutzstrategie beschlossen. Darin geht es um die Reduktion der Treibhausgas-Emissionen aus Moorgebieten und um Erhalt und Förderung der moorspezifischen Biodiversität. Auch wenn die Moor-Birke aus den wiedervernässten Gebieten verschwindet, findet sie neue Standorte am Rand der neuen Moore – und die Chance, dass sich neue Moor-Birkenwälder bilden, ist ein bisschen größer geworden!

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