Kategorien
Park & Platz Wald Wildes Berlin

Wie das Kleine Nachtpfauenauge Feinde verscheucht

Das Kleine Nachtpfauenauge trägt den ersten Teil seines Namens eigentlich zu Unrecht. Denn der Schmetterling ist mit bis zu 8,5 Zentimetern Flügelspannweite gar nicht so klein. Obwohl er nicht selten ist, bekommt man ihn nicht allzu oft zu sehen. Das liegt an seiner Lebensweise. Und daran, dass er sich gut tarnen kann.

Kleines Nachtpfauenauge mit großer Flügelspannweite

Das Kleine Nachtpfauenauge (Saturnia pavonia) gehört zur Familie der Pfauenspinner und zur Gattung der Nachtpfauenaugen. Es gibt auch tatsächlich noch einen größeren Verwandten: Das Große Nachtpfauenauge, auch Wiener Nachtpfauenauge genannt, kommt auf eine Flügelspannweite von bis zu 16 Zentimetern!
Mit dem Tagpfauenauge ist es übrigens trotz des ähnlichen Namens nicht näher verwandt!

So trickst der Schmetterling Angreifer aus

Die Pfauenspinner sind überwiegend in den Tropen heimisch, das Kleine Nachtpfauenauge ist zusammen mit dem Nagelfleck der einzige heimische Vertreter der Art. Sein auffälligstes Merkmal sind die namensgebenden Augen, die das Kleine Nachtpfauenauge auf Vorder- und Hinterflügeln trägt und die Fressfeinde abschrecken sollen: Die Größe der Augen sorgt dafür, dass Angreifer glauben, ein eher großes Tier vor sich zu haben und sich lieber eine andere Beute suchen.

Eindrucksvolles Muster

Die Vorderflügel (siehe Foto) sind graubraun, mit gewellten Binden und einer pinkfarbenen Linie an den Flügelspitzen, die Hinterflügel sind bei den Männchen ähnlich gemustert wie die Vorderflügel, sie sind allerdings insgesamt orangegelb gefärbt. Weibchen tragen die gleichen Muster, aber die Grundfarben sind weiß und grau.

Weibchen sind nachts, Männchen am Tag aktiv

Obwohl die Musterung bei dem Schmetterling ziemlich auffällig ist, bietet sie ihm eine gute Tarnung. Allerdings bemüht er sich auch nicht darum, aufzufallen. Die Weibchen, die nachtaktiv sind, halten sich tagsüber irgendwo am Boden auf, wo sie unbeweglich sitzen. Währenddessen geben sie Duftstoffe ab, die die tagaktiven Männchen anlocken sollen. Über ihre fiedrigen, kammartigen Fühler nehmen die Männchen den Duft wahr und machen sich auf die Suche nach dem Weibchen. Dabei fliegt er ruckartig und schnell und ist deshalb kaum zu bemerken.

Der Schmetterling bestäubt keine Blüten

Mit der Bestäubung von Blüten hat das Kleine Nachtpfauenauge nichts zu tun. Es hat nämlich keine Mundwerkzeuge und kann deshalb keine Nahrung zu sich nehmen. Einziger Lebenszweck als ausgewachsener Schmetterling ist die Partnersuche, um sich zu vermehren – er lebt nur wenige Tage. Unterwegs ist er schon früh im Jahr, sobald es etwas milder wird.

Vorliebe für naturnahe Landschaften

Bevorzugte Lebensräume des Kleinen Nachtpfauenauges sind offene, naturnahe Landschaften mit Sträuchern und Heidekraut, lichte Wälder und auch Moorgebiete. Das Weibchen sucht nach der Paarung Pflanzen, an denen es die Eier ablegt. Vor allem Schlehen, Besenheide, Brombeere und Birke sind beliebt als Futterpflanzen für die Raupen. Der Nachwuchs ist anfangs schwarz und färbt sich später leuchtend grün, mit schwarzen Ringen und schwarzen Härchen. Die Raupen werden bis zu sechs Zentimeter lang.

Überwintern im Kokon

Den Winter verbringen die Jungtiere als Puppe in einem Kokon, der fest genug ist, Fressfeinde abzuwehren. Um herauszukommen, nutzen die Falter einen Sporn an der Flügelwurzel, den sie wie eine Stichsäge einsetzen.

Das Kleine Nachtpfauenauge ist  geschützt

Noch ist das Kleine Nachtpfauenauge, das unter strengem Naturschutz steht, nicht gefährdet. Allerdings machen ihm eine intensive Landwirtschaft und die verstärkte Landnutzung zu schaffen. Vielerorts sind die Zahlen deshalb in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. Schmetterlinge können mit aufgeräumten Landschaften nichts anfangen – um den Rückgang zu stoppen, ist es notwendig, mehr naturnahe Landschaften zu erhalten. Übrigens kann man dem Kleinen Nachtpfauenauge auch in einem verwilderten Garten einen guten Lebensraum bieten!

Weitere Artikel über Schmetterlinge

Anzeige:

Teilen:

2 Antworten auf „Wie das Kleine Nachtpfauenauge Feinde verscheucht“

Hallo Silke,
wieder einmal beeindruckend in welcher Form du von dem Kleinen Nachtpfauenauge berichtet hast. Einfach klasse.
Liebe Grüße Wolfgang

Danke, lieber Wolfgang, das freut mich sehr! Und das Foto ist wunderschön!
Liebe Grüße von Silke

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.