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Aufmerksamkeit für den Gewöhnlichen Schweinswal

Der Gewöhnliche Schweinswal ist das Wildtier des Jahres 2022. Er ist die einzige in Europa heimische Walart, mit etwas Glück kann man ihn in der Nord- und Ostsee sehen. Aber der kleine Meeressäuger ist sehr selten geworden, er steht inzwischen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten und ist streng geschützt.

Der Schweinswal kommuniziert mit Ultraschallwellen

Bevorzugter Lebensraum des Schweinswals (Phocoena phocoena) sind flache Küstenwässer. Hier jagt er nach Fischen. Und dabei ist er sehr geschickt, denn er nutzt, ganz ähnlich wie Fledermäuse, Ultraschallwellen, um sich im Wasser zu orientieren. Mit seinem Biosonar bekommt er ein akustisches Bild seiner Umgebung. Das hilft ihm nicht nur bei Orientierung und Jagd, sondern auch bei der Kommunikation. Schweinswale erzeugen Klicklaute, die sie über das Wasser weitergeben.

Gefahr durch Lärm und Stellnetze

Das ist aber gleichzeitig auch eines der Probleme, mit denen der Schweinswal, der auch als Kleiner Tümmler bezeichnet wird, zu kämpfen hat. Der Lärm, der längst auch schon die Meere erreicht hat (z.B. durch Schiffe, Baggerarbeiten, das Einrammen von Masten für Windanlagen oder Minensprengungen, die noch in zehn Kilometern Entfernung für die Tiere gefährlich sein können), macht ihm ebenso zu schaffen wie Stellnetze, denen er trotz des Biosonars nicht immer ausweichen kann. Inzwischen leben nur noch etwa 500 Schweinswale in der Ostsee.

Verwandter des Delphins

Auf den ersten Blick könnte man den Schweinswal mit einem Delphin verwechseln, und tatsächlich sind die beiden verwandt. Allerdings ist ihr Körper und auch die Schnauze kürzer und der Körper gedrungener. Die Rückenflosse (Finne) ist klein und dreieckig. Ein erwachsener Schweinswal kommt auf maximal 75 Kilogramm Gewicht.

Am Tage unterwegs

Unterwegs ist der Meeressäuger vor allem tagsüber. Mit etwas Glück kann man ihn vor allem an einigen Küstenabschnitten vor Fehmarn, Sylt oder Wilhelmshaven vom Ufer aus sehen.

Auch Schwermetalle gefährden den Meeressäuger

Dass der Schweinswal so selten ist, liegt unter anderem auch an Vergiftungen durch Schwermetalle, aber auch daran, dass er noch Mitte des 20. Jahrhunderts intensiv gejagt wurde. Das ist glücklicherweise inzwischen verboten.

Jagd nach Fisch

Bevorzugte Nahrung des Schweinswals sind Fische wie Hering, Dorsch und Seezunge. Vor allem säugende Muttertiere sind ständig auf Nahrungszufuhr angewiesen, weil sie eine sehr hohe Stoffwechselrate haben. Bis zu 500 Fische landen dann pro Tag in ihren Mägen. Meist leben die Tiere in kleinen Gruppen oder als Mutter-Kind-Paar.

Elf Monate Tragezeit

Schweinswale werden mit drei oder vier Jahren geschlechtsreif. Nach der Paarung dauert es bis zu elf Monate, bis der Nachwuchs (meist zwischen Juni und August) geboren wird. Schon wenig später paaren sich die Weibchen erneut. Erklären lässt sich das vielleicht mit der langen Tragezeit und damit, dass die Meeressäuger mit nur etwa zehn bis zwölf Jahren eine eher kurze Lebenserwartung haben.

Wahl zum Wildtier des Jahres 2022

Mit der Wahl zum Wildtier des Jahres will die Deutsche Wildtier-Stiftung den Fokus auf den bedrohten Meeresbewohner richten. Und darauf, dass Unterwasserlärm und Stellnetze eine große Gefahr für viele Tierarten sind. Inzwischen gibt es mit dem sogenannten Jastarnia-Plan immerhin ein eigenes Schutzabkommen für die Schweinswale in der Ostsee.

NABU fordert verstärkten Schutz der Lebensräume

Der NABU fordert zudem für alle Natura-2000-Schutzgebiete in der Nord- und Ostsee, dass Aktivitäten, die den Lebensraum der Schweinswale beeinträchtigen, verändern oder gar zerstören, auszuschließen. In einigen Gebieten, etwa der Ostsee östlich der Halbinsel Darß, ist die Population sogar vom Aussterben bedroht. Der NABU bringt sich auch in einem Forschungsvorhaben, das vom Bundesamt für Naturschutz gefördert ist, mit ein – es geht um die Entwicklung alternativer Fangtechniken, die Stellnetze in Meeresschutzgebieten ersetzen sollen.

Hier können Sie den Schweinswal sehen

Tipp: Eine gute Möglichkeit, Schweinswale zu beobachten, gibt es an der Flensburger Förde. Dort hat der NABU den Fördesteig konzipiert, einen Wanderweg, von dem aus man viele Naturerlebnisse und schöne Aussichten hat. Eine gute Zeit, um Schweinswal-Mütter mit Jungen zu sehen, ist der Mai. Nehmen Sie am besten ein Fernglas mit – manchmal sieht man nur die Finne, wenn die Tiere auftauchen.

Am Leuchtturm Kalkgrund, zwischen Deutschland und Dänemark in der Förde gelegen, gibt es zudem eine Webcam, die gute Blicke auf die Tiere ermöglicht. Auch im Meeresmuseum Ecomare in den Niederlanden können Sie Schweinswale sehen.

Weitere Infos über den Schweinswal (NABU)

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