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Cladonia: Das Geheimnis der Becherflechte

Von wegen der Winter ist grau! Die roten Punkte an den Gewächsen auf dem Foto sind zwar keine Blüten, aber sie sehen so aus. Sie schmücken eine Cladonia, eine Trichter- oder Becherflechte. Etwa 400 Arten der Familie gibt es weltweit.

Cladonia-Flechten haben eine Becherform

Cladonia-Becherflechten haben einen kleinen grüngrauen Stamm (Podetium), der in einem Becher oder Trichter endet. Darin bilden sie Fruchtkörper, die bei den Exemplaren auf dem Foto leuchtend rot sind. Andere Arten tragen braune oder gelbe Fruchtkörper (Apothecien).

Faszinierende Lebensgemeinschaft

Aber was ist eine Flechte überhaupt? Man könnte sie als Lebensgemeinschaft bezeichnen, und zwar zwischen Pilzen und Pflanzen, die Photosynthese betreiben können. Flechten haben keine Wurzeln, mit denen sie Wasser aufnehmen könnten. Vor Verdunstung schützen können sie sich auch nicht, aber sie haben die Fähigkeit, bei Regen große Mengen Wasser aufzusaugen. 

Überlebenskünstler

Lange Trockenheit können sie aushalten, hohe Temperaturen oder Temperaturschwankungen ebenfalls. So sind Flechten echte Überlebenskünstler, die auch an extrem lebensfeindlichen Orten existieren können. Einigen genügt der nackte Fels, andere kann man auf 5000 Metern Höhe sehen. Manche können auf rostigem Metall wachsen, andere auf Baumrinde. 

Flechten zeigen die Luftqualität an

Und wenn wir schon mal dabei sind: Es gibt auf der Welt etwa 25.000 Flechtenarten, in Mitteleuropa sind es 2000. Sie wachsen extrem langsam – nur ein paar Millimeter pro Jahr. In der Natur sind sie aus mehreren Gründen wichtig. Etwa, weil sie Luftqualität anzeigen – sie nehmen Schadstoffe aus der Luft ungefiltert auf und reagieren sehr empfindlich auf Luftverschmutzung. Neben Düngemittelresten kann man in ihnen auch Schwermetalle und sogar radioaktive Substanzen nachweisen!

Cladonia-Flechte mit roten Fruchtkörpern

Es gibt mehrere Cladonia-Arten mit roten Fruchtkörpern, welche genau auf dem Foto zu sehen ist, kann ich leider nicht sagen. Ich vermute, es ist eine Scharlachrote Becherflechte. Weil diese Naturwunder so beeindruckend und so wichtig sind für die Natur und fürs Klima, verdienen sie auf alle Fälle einen Eintrag in diesem Blog. Wenn Sie mal eine sehen sollten, gucken Sie genau hin – Becherflechten sind wirklich sehr schön!

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2 Antworten auf „Cladonia: Das Geheimnis der Becherflechte“

Liebe Silke,deinen Bericht zur Becherflechte habe ich erst heute gelesen.
Wie immer ist deine Recherche mehr als lesenswert und enthält Informationen die für mich neu sind.
Beste Grüße nach Berlin.
W. Beuershausen

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