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Waldkauz-Ästlinge in Berliner Parks

Junge Waldkäuze sind mutig. Sie trauen sich aus der Bruthöhle, wenn sie noch gar nicht fliegen können. Dann sitzen sie auf dem Boden oder auf Ästen (was ihnen die Bezeichnung Ästlinge eingebracht hat) und warten, dass ihnen die Eltern ihr Essen vorbeibringen.

Die Ästlinge sind meist nicht in Not!

Immer wieder melden sich Spaziergänger beim NABU und sagen, dass sie in einem Park junge Eulen gesehen haben, die scheinbar hilflos auf dem Boden sitzen. Sie tragen noch ihr flauschiges, helles Jugendkleid. Sind sie in Not?

Nein, sagen die Experten des NABU. Sie sind nicht von ihren Eltern verlassen, sondern werden in der Nacht von ihnen mit Futter versorgt. Auch wenn es gut gemeint ist: Bitte nehmen Sie die kleinen Vögel nicht mit, um sie zum Tierarzt oder in die Wildvogelstation zu bringen. Die Eltern haben ihren Nachwuchs nicht vergessen.

Schutz vor Hunden im Park

Auch wenn die Ästlinge nicht velassen sind: Gefahren drohen ihnen trotzdem, vor allem in städtischen Grünanlagen. Menschen und Hunde kommen ihnen zu nahe. Sollten Sie einen jungen Waldkauz auf dem Boden sitzen sehen, können Sie ihn auf einen nahegelegenen Baum setzen. Zwar können die Jungtiere noch nicht fliegen, dafür aber gut klettern. Sie schaffen es dann meist von alleine, sich in höhere Kronenbereiche zurückzuziehen.

100 Waldkauz-Paare leben in Berlin

Waldkäuze gehören zu den häufigsten einheimischen Eulenarten, und sie fühlen sich inzwischen auch in Großstädten wohl. Experten schätzen, dass es in Berlin über 100 Brutpaare gibt. Meist brüten die Vögel in größeren Baumhöhlen, sie nehmen aber auch speziell für sie angebrachte Nistkästen gern an.

Die Balz beginnt im Winter

Schon im Dezember beginnt die Balz des nachtaktiven Jägers, der etwa 40 Zentimeter groß wird – etwas größer als die Waldohreule. Er ist standorttreu, das bedeutet, dass er sein ganzes Leben lang in seinem Revier bleibt. Nach der Paarung legt das Weibchen zwei bis sechs Eier, die es allein ausbrütet. In der Zeit wird es vom Männchen versorgt, das sein Weibchen und die Brut auch sehr energisch gegen Angreifer verteidigt.

Aus Nesthockern werden Ästlinge

Nach 30 Tagen schlüpft der Nachwuchs. Er ist dann noch blind. Doch er braucht nur sechs Tage, um stehen zu können. Schon nach einem Monat verlassen die Jungen das Nest – ihr Lebensabschnitt als Ästlinge beginnt. Die Entfernung zum Nest ist nicht groß, aber falls die Eltern sie nicht bemerken sollten, machen sie mit ständigen heiseren „ksik“-Rufen auf sich aufmerksam.

Nach wenigen Wochen können die Jungen fliegen

Die Zeit als Ästlinge dauert etwa zwei bis drei Wochen, danach können die jungen Waldkäuze fliegen. Sie werden aber noch einen Monat weiter von ihren Eltern versorgt. Trotzdem überlebt nur etwa die Hälfte der Jungvögel das erste Lebensjahr. Wenn sie erwachsen werden, können sie in freier Natur 19 Jahre oder älter werden.

Waldkäuze sind fleißige Mäuse-Jäger

Übrigens sollten wir Menschen uns freuen, wenn ein Waldkauz-Paar in der Nähe brütet: Mäuseplagen müssen wir dann nicht fürchten! Denn Waldkäuze ernähren sich vor allem von Mäusen. Nur wenn es die nicht gibt, weichen sie auf Maulwürfe, Ratten oder junge Kaninchen aus. Sie können, wenn es nötig ist, sogar Fische fangen! Diese Flexibilität bei der Nahrung ist sicher einer der Gründe, warum die lautlosen Jäger so häufig sind.

Der Nachwuchs muss sich ein eigenes Revier suchen

Die Ästlinge, die gerade in einigen Berliner Parks und Wäldern zu sehen sind, brauchen noch ein paar Wochen die elterliche Fürsorge. Dann sind sie ausgewachsen und suchen sich ihr eigenes Revier.

Hilfe für Ästlinge in Not

Falls Sie mal einen jungen Waldkauz finden, der wirklich in Not oder verletzt ist, können Sie die Wildvogelstation des NABU per Telefon (030/54 71 28 92) oder Mail (wildvogelstation@nabu-berlin.de) kontaktieren.

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