Der Zitronenfalter ist einer der ersten Schmetterlinge des Jahres. Und einer, der in Berlin (noch) relativ häufig ist. In diesem Frühling war er bisher der einzige Schmetterling, den ich überhaupt gesehen habe. Und er hat ein paar sehr ungewöhnliche Eigenschaften.
Der Zitronenfalter und der Frostschutz
Er verbringt nämlich den Winter draußen, unter freiem Himmel. Mal sitzt er an einem Blatt, mal am Stängel einer Pflanze und fällt in eine Winterstarre. Seine Farbe, die ein bisschen an ein Herbstblatt erinnert, macht ihn nahezu unsichtbar. Aber wie kann ein so zartes Wesen die Kälte überstehen? Dafür wendet der Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni) einen Trick an: Er bildet selbst ein „Frostschutzmittel“, das aus Glycerin, Sorbit und Eiweißen besteht. Sie senken den Gefrierpunkt seiner Körperflüssigkeit stark ab und sorgen dafür, dass der Schmetterling selbst Temperaturen um minus 20 Grad aushalten kann. Auch Schnee kann ihm nichts anhaben.
Schmetterling der Rekorde
Diese Fähigkeit, den Winter zu überstehen, ist der Grund, warum dieser Schmetterling zwölf Monate alt werden kann, was in Europa außer ihm kein Falter schafft. Ein absoluter Rekord für einen echten Überlebenskünstler!
Er fliegt schon früh im Jahr
Das Insekt des Jahres 2002 verschafft sich durch das Überwintern im Freien einen Vorteil. Denn sobald es wärmer wird, erwachen seine Lebensgeister und es ist unterwegs in der Natur – als eines der ersten Insekten überhaupt. Nahrung ist in dieser Zeit noch knapp, aber es gibt ja auch einige Pflanzen, die früh dran sind – etwa die Hasel.
Wenn Sie in dieser Zeit zwei Zitronenfalter sehen, die umeinander tanzen, werden Sie Zeuge des Paarungs-Rituals der Schmetterlinge. Die Männchen verfolgen die Weibchen, und wenn das Weibchen (es ist übrigens weißlich-grün gefärbt) auf dem Boden landet, beginnt die Paarung, die bis zu drei Stunden dauern kann.
Der Nachwuchs ist gut getarnt
Anschließend legt das Weibchen jeweils ein bis zwei Eier an Blättern, Triebspitzen und Blättern von Faulbaum oder Kreuzdorn ab. Insgesamt kommt es auf etwa 100 Eier, aus denen nach etwa zwei Wochen die grünen Raupen schlüpfen. Sie sind durch ihre Farbe bestens getarnt.
Nach drei bis sieben Wochen (je nach Wetter) verpuppen sie sich und beginnen die Verwandlung zum Falter.
Verwandt mit dem Aurorafalter
Der Zitronenfalter gehört zur Familie der Weißlinge, er ist also mit dem Kleinen und dem Großen Kohlweißling, dem Rapsweißling, aber auch mit dem äußerst seltenen Aurorafalter verwandt. Er hat eine Flügelspannweite von bis zu fünfeinhalb Zentimetern und ist an den zitronengelben Flügeln (die Weibchen sind eher grünlich-weiß gefärbt) gut zu erkennen. Auffällig ist die spitz zulaufende Form der Flügel, außerdem tragen sowohl Männchen als auch Weibchen einen orangefarbenen Fleck auf den Flügeloberseiten.
Er ist überall da, wo es Blumen und Sonne gibt
Der Schmetterling ist in ganz Europa zuhause, nur im hohen Norden kommt er nicht vor. Bevorzugter Lebensraum sind Gebüsche in der Nähe von Wäldern, aber man kann ihm auch auf Wiesen begegnen. Feuchte Standorte verträgt er genauso gut wie trockene Lebensräume. Auch das verschafft ihm Vorteile, denn er taucht eigentlich überall auf, wo es Blumen und Sonne gibt.
Vorliebe für rote Blüten
Während die Raupen, wie schon erwähnt, Faulbaum und Kreuzdorn als Futterpflanzen benötigen, haben die ausgewachsenen Zitronenfalter eine Vorliebe für rotviolette Blüten, etwa Sommerflieder, Rotklee, Blutweiderich, Kratzdistel, Karthäusernelke und Wilden Majoran.
Zitronenfalter im Garten
Wer den Schmetterling anlocken möchte, sollte seinen Balkon oder Garten möglichst naturnah gestalten und einheimische Blumen pflanzen. Pestizide mag er allerdings gar nicht (die gehören aber ohnehin weder auf den Balkon, noch in den Garten). Wer keinen Balkon oder Garten hat, kann sich freuen, wenn er dem Zitronenfalter beim Spaziergang begegnet – eine Blume findet der Schmetterling immer.
Anzeige:
![]()