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Die Blutwurz ist die Arzneipflanze des Jahres 2024

Die Blutwurz, auch als Tormentill bekannt, rückt in diesem Jahr stärker in den Fokus: Sie wurde vom Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde zur Arzneipflanze des Jahres 2024 gekürt.

Die Blutwurz hat vier Kronblätter

Richtig bekannt ist die Blutwurz (Potentilla erecta) nicht – die meisten Naturliebhaber kennen eher das ähnlich aussehende Gänsefingerkraut. Beide gehören zur Familie der Rosengewächse. Die Blutwurz wird zwischen zehn und 30 Zentimeter hoch, meist kriechen die Ausläufer am Boden entlang. Die Grundblätter sind dreiteilig und haben an den Stängeln noch zwei Nebenblätter. Auffällig ist die gelbe Blüte mit vier Kronblättern – andere Fingerkraut-Arten haben fünf Kronblätter. Blütezeit ist zwischen Mai und Oktober.

Wo man die Pflanze sehen kann

Bevorzugter Lebensraum der Blutwurz sind Magerwiesen, Mischwälder, Niedermoore und Heideflächen mit mäßig sauren Böden.

Dicker Wurzelstock

Eine Besonderheit ist der dicke Wurzelstock (Rhizom), dessen Durchmesser mehrere Zentimeter betragen kann. Ihm verdankt die Pflanze auch ihren Namen, denn an Bruch- oder Schnittkanten bildet sich eine rote Farbe. Das sind die Gerbstoffe, die an der Luft oxidieren. 15 bis 22 Prozent Gerbstoffe sind in der Pflanze enthalten – sie wirken adstringierend (zusammenziehend). Außerdem stecken Flavonoide, Phenolcarbonsäuren und Triterpensäuren darin.

Gerbstoffe gegen Durchfallerkrankungen

Die Blutwurz ist nicht die einzige Fingerkraut-Pflanze, die medizinisch genutzt wird. Schon im Altertum waren die Heilkräfte der Gattung bekannt. Eingesetzt werden die Gerbstoffe, die ihren Namen der Tatsache verdanken, dass sie auch beim Gerben von Leder Verwendung finden. Diese Stoffe wirken gegen leichte Durchfallerkrankungen, heilen gereizte und entzündete Schleimhäute und überziehen sie mit einer Schutzschicht. Zudem haben die Gerbstoffe antimikrobielle und antivirale Eigenschaften.

Die Heilwirkung ist seit dem Altertum bekannt

Die Universalgelehrte Hildegard von Bingen empfahl die Blutwurz schon im zwölften Jahrhundert als Mittel gegen Fieber und Wunden. Der Arzt und Botaniker Hieronymus Bock beschrieb sie in seinem Kräuterbuch von 1551 außerdem als Mittel gegen Augenleiden, Menstruationsbeschwerden und Nasenbluten. Auch gegen Vergiftungen und Erbrechen soll die Pflanze helfen.

In Mund- und Rachensprays enthalten

Heute wird die Blutwurz vor allem bei Durchfallerkrankungen, Entzündungen in der Mund- und Rachenhöhle sowie bei Ekzemen und Wunden eingesetzt. In Mund- und Rachensprays findet man den Wurzelextrakt neben Myrrhe, Ratanhiawurzel und ätherischen Ölen.

Blutwurz hemmt Darmbakterien

Der Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde an der Universität Würzburg kürt alljährlich die Arzneipflanze des Jahres. Er bedauert, dass die jahrhundertealten Erfahrungen in Gefahr sind, verloren zu gehen. Denn es gibt seit Jahrzehnten keine neuen klinischen Studien. Dabei gebe es gute Hinweise aus experimentellen Arbeiten, dass die Blutwurz mit ihren Gerbstoffen zur Hemmung von Viren und Bakterien beitragen könnte, so unter anderem von Bakterien der Gattung Campylobacter, die die gesunde Verdauung im Darm beeinträchtigen.

Arzneipflanzen sind die Stiefkinder der Forschung

Angesichts der Häufigkeit von chronischen Verdauungsstörungen bei bis zu 30 Prozent der mitteleuropäischen Bevölkerung sollte dies eigentlich Anlass genug sein, entsprechende Entwicklungen zu fördern, so der Studienkreis. Arzneipflanzen blieben jedoch wegen ihrer allgemeinen Verfügbarkeit und der sehr eingeschränkten Möglichkeit zur Patentierung „leider in Europa weiterhin Stiefkinder der Forschung“. Mit der alljährlichen Wahl der Arzneipflanze des Jahres soll auf die besondere Bedeutung der heilenden Gewächse hingewiesen werden.

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