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Begegnung mit der Nebelkrähe

Krähen waren ja immer mal wieder Thema in diesem Blog, aber eine blieb am Rande: die Nebelkrähe. Dabei ist gerade sie die häufigste Vertreterin ihrer Art in Berlin. Man kann ihr in Parks, im Wald, aber auch auf belebten Straßen begegnen.

Die Nebelkrähe und ihre engste Verwandte

Die Nebelkrähe (Corvus cornix) ist eng mit der Rabenkrähe verwandt, aber verwechseln kann man beide nicht. Denn die Nebelkrähe trägt ein schwarz-graues Gefieder (Kopf, Flügel und Schwanz sind schwarz, Bauch und Rücken nebelgrau), während ihre Verwandte pechschwarz ist.

Wo die Rabenkrähe lebt

Im Osten Deutschlands ist die Nebelkrähe besonders häufig, im Westen überwiegt die Rabenkrähe. Beide Arten können sich aber auch vermischen. Mit 45 bis 47 Zentimetern Größe und einer Flügelspannweite von bis zu 104 Zentimetern ist die Nebelkrähe eine eindrucksvolle Erscheinung. Und sie kann laut sein, vor allem im Schwarm. Das erregte Kra-kra-kra ist weithin zu hören.

Ein Nest im hohen Baum

Paarungszeit der Nebelkrähe ist im späten Winter, schon ab Ende Februar beginnt in einigen Regionen die Brutzeit. Ihre Nester bauen die Krähen in hohen Bäumen, ab und zu aber auch auf Masten. Wichtig ist, dass das Nest eine gute Deckung hat. 20 Tage werden die Eier bebrütet, dann schlüpft der Nachwuchs, der schon nach etwa 40 Tagen flügge ist.

Keine Angst vor Menschen

Angst vor dem Menschen hat sie nicht, nur wenn man ihr allzu nahe kommt, weicht sie aus. Sie weiß die menschliche Nähe zu schätzen, denn dort, wo Zweibeiner sind, gibt es immer genug Nahrung. Als Allesfresserin ist die Nebelkrähe nicht wählerisch: Sie frisst Beeren, Früchte und Nüsse, Insekten, Vogeleier und Kleinsäuger und lässt auch Aas und sogar Müll nicht liegen. Das hat dem Vogel auch den wenig schmeichelhaften Namen Aaskrähe eingebracht.

Der Vogel mag keine aufgeräumten Ackerlandschaften

Mancher wirft der Nebelkrähe sogar vor, für den Rückgang von Wiesenbrütern verantwortlich sind. Aber Untersuchungen zeigen, dass dieser Vorwurf nicht stimmt. Der Rückgang dieser Arten hängtt mit der modernen Landwirtschaft zusammen, was man auch daran erkennt, dass in aufgeräumten Ackerlandschaften fast keine Nebelkrähen zu sehen sind. Trotzdem wurden sie lange Zeit verfolgt und gejagt.

Intelligent und sehr sozial

Ihren schlechten Ruf haben sie (wie alle Rabenvögel) aber nicht verdient. Sie sind überaus sozial, treu (Brutpaare bleiben zeitlebens zusammen), gesellig und äußerst intelligent. Der Begriff „Rabeneltern“ ist völlig aus der Luft gegriffen, denn Raben kümmern sich aufopferungsvoll um ihren Nachwuchs. Sie lassen ihn nicht aus den Augen und gehen mutig auf Angreifer los.

Hochintelligente Vögel

Manchmal kann man Nebelkrähen dabei beobachten, wie sie auf einer Straßenlaterne sitzen und Nüsse auf die Erde fallen lassen. Auf diese Weise gelingt es ihnen, die harte Schale zu knacken. Manchmal werfen sie Nüsse auch auf Straßen und warten, dass Autos darüberfahren. Und es geht noch weiter: Krähen können sich menschliche Gesichter merken, sie nutzen Werkzeuge, um an Nahrung (etwa Käfer in morschen Bäumen) heranzukommen und sie sind extrem lernfähig.

Einfallsreich bei der Nahrungssuche

Es ist erstaunlich, was Krähen alles schaffen. Bei einem auf YouTube gezeigten Experiment legten Forscher in einen schmalen, mit Wasser gefüllten Zylinder ein Stück Futter. Der Wasserstand war zu niedrig, um das Futter zu erreichen. Es dauerte nicht lange, bis die Krähen eine Idee hatten: Sie warfen Steine und andere schwere Objekte in das Gefäß. Damit erhöhten sie den Wasserstand und kamen an das Futter heran.

Sozial und nachtragend

Forscher erkannten auch, dass Krähen nachtragend sind (das kam heraus, als sie Tiere einfingen, um sie zu markieren – sie beschimpften die Forscher noch 14 Tage später und warnten Artgenossen vor ihnen) und dass sie asoziale Artgenossen erkennen und aus der Gruppe ausschließen (das zeigt, wie sozial die Tiere sind).

Totenwache für Artgenossen

Sie können vorausschauend planen und sich auch mal in Verzicht üben, wenn es etwas später etwas noch Besseres zu fressen gibt. Eindrucksvoll ist auch, dass sie Totenwache für Artgenossen halten. Den Grund fanden Forscher heraus: Die schlauen Vögel lernen, woran ihr Artgenosse gestorben ist und vermeiden diesen Auslöser künftig.

Spannend finde ich auch, dass Nebelkrähen und andere Rabenvögel andere Tiere, vor allem Wölfe, im Winter bei der Jagd beobachten. Sie wissen dann, wo die Beute liegt – und warten geduldig, bis die Wölfe sich sattgefressen haben. Danach sind sie selbst an der Reihe.

Vom Menschen gefürchtet

Trotzdem finden viele Menschen die Nebelkrähe und ihre Verwandten unheimlich. Die Vögel werden mit Unheil in Verbindung gebracht, mit Tod und schwarzer Magie. Schon früher wurden sie gefürchtet.

Symbol und Retter des Königreichs

Gleichzeitig gibt es Völker, die Rabenvögel als heilig verehren: die nordamerikanischen Indianer zum Beispiel sehen in ihnen göttliche Schöpfungen. Und der germanische Kriegsgott Odin hatte zwei Raben auf den Schultern sitzen – Hugin und Munin, die Erinnerung und Gedanken symbolisieren. In London sind Raben sogar für den Erhalt des Königreiches verantwortlich: Seit über 900 Jahren leben Raben im Tower. Würden sie wegfliegen, wäre das eine Katastrophe, und deshalb werden den Vögeln die Flügel gestutzt.

Den Berliner Nebelkrähen geht es gut

Da haben es die Berliner Nebelkrähen besser. Sie leben gut in der Stadt. Bei der Stunde der Gartenvögel 2021 landeten sie auf Platz 6, mit einem Anstieg von 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In Brandenburg belegten sie Platz 10. Tendenz auch hier: steigend. Zum Glück.

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