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Rote Liste: Mehr als ein Viertel der Insektenarten ist bedroht

Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) hat den dritten Band seiner neuen Roten Liste zu den wirbellosen Tieren vorgelegt. Die Erkenntnisse sind mehr als beunruhigend. Denn 26,2 Prozent der etwa 6742 neu bewerteten Insektenarten in Deutschland sind bedroht. Besonders Käfer, die größte Gruppe der Insektenarten, sind betroffen.

Rote Liste für wirbellose Tiere

„Die Rote Liste“, so BfN-Präsidentin Sabine Riewenherm, „bestätigt den negativen Trend, der sich in den ersten beiden Bänden gezeigt hat. Insgesamt wurden in diesen drei Bänden mehr als 15.000 wirbellose Arten, darunter 14.000 Insektenarten, untersucht. Davon sind über 4600 Arten in ihrem Bestand gefährdet.“ Genauer: 29,6 Prozent gelten als „vom Aussterben bedroht“, „stark gefährdet“ oder leiden unter einer „Gefährdung unbekannten Ausmaßes“. 6,4 Prozent (430 Arten) gelten als „extrem selten“ und 3,7 Prozent (249 Arten) sind sogar schon ausgestorben oder verschollen.

Stein- und Eintagsfliegen stark bedroht

Einige Arten sind besonders vom Rückgang betroffen. Dazu gehören die Steinfliegen (46,4 Prozent) und die Eintagsfliegen (Foto, 40,5 Prozent). Diese beiden Arten leben an Binnengewässern und benötigen naturnahe Gewässer und Uferbereiche. Und genau dort liegt ihr Problem, denn sie sind von Gewässerverschmutzung bedroht. Und obwohl die Gewässerqualität seit etwa 25 Jahren besser geworden ist, konnten sich die Bestände noch nicht wieder erholen. Hinzu kommen Störungen der Larven durch den Menschen.

Gewässer naturnäher gestalten

Sabine Riewenherm sieht hier dringenden Handlungsbedarf. Es geht darum, die Belastung der Gewässer weiter zu verringern, die Gewässer naturnäher zu gestalten und die Uferbereiche zu erhalten, um die besonders gefährdeten und an Wasser gebundenen Arten wie Eintags-, Steinfliegen und Libellen zu schützen.

Sorge um viele Käferarten

Auch den eingangs schon erwähnten Käfern geht es nicht gut. Der Verlust naturnaher Lebensräume und eine veränderte Nutzung von Flächen verdrängt viele Arten. Stark gefährdet sind zum Beispiel Blattkäfer (41,1 Prozent), Rüsselkäfer (39 Prozent) und Blatthornkäfer (32,8 Prozent).

Intensive Landwirtschaft verdrängt Käfer

Blatthornkäfer zum Beispiel benötigen offene und halboffene Landschaften. Die aber sind unter anderem durch intensivere Landwirtschaft selten geworden. Dungfressende Käfer wiederum leiden darunter, dass vielerorts die Weidewirtschaft aufgegeben wurde – das Vieh lebt jetzt in Ställen. Auch Flurbereinigung und der Einsatz von Medikamenten wirken sich negativ auf den Käferbestand auf.

Borkenkäfer besiedeln kranke Bäume

Besonders gefährdet ist zum Beispiel der Rossmistkäfer (Geotrupes stercoraius), der früher sehr häufig war, inzwischen aber nur noch selten zu sehen ist.
Borkenkäfer stehen ebenso auf der Roten Liste. Sie besiedeln vor allem kranke und absterbende Bäume im Wald. Weil sie mobiler sind als die anderen Käferarten, ist die Situation bei ihnen allerdings (noch) nicht so bedrohlich wie zum Beispiel bei den Blattkäfern. Die nämlich sind eng an ihre Habitate gebunden.

Bei einigen Arten nahmen die Bestände zu

Aber es gibt auch gute Nachrichten. Bei 68 Käfer-Arten (3 Prozent) nehmen die Bestände seit einigen Jahren sogar zu – hier hatten Naturschutzmanahmen Erfolg. Dazu gehört zum Beispiel der zu den Rosenkäfern zählende Pinselkäfer (Trichius gallicus). Auch einige Wanzen- und Steinfliegenarten haben sich erholt und gelten inzwischen wieder als ungefährdet.

Rote Liste: Inventur der Artenvielfalt

Die Roten Listen sind eine sehr gute Möglichkeit, sich über den Zustand der Natur in Deutschland zu informieren. Sie sind Verzeichnisse über ausgestorbene, verschollene und gefährdete Arten. Etwa alle zehn Jahre werden sie neu herausgegeben und gibt Aufschluss über die Gefährdungssituationen von Tieren, Pflanzen und Pilzen – salopp formuliert, eine Inventur der Artenvielfalt. Über 130 ehrenamtliche Mitarbeiter tragen die Erkenntnisse zusammen, analysieren sie und bereiten sie auf.
Der aktuelle fünfte Band enthält 14 Insektengruppen, neun davon sind Käfer, der Rest besteht aus Netzflüglerartigen, Wanzen, Libellen, Stein- und Eintagsfliegen.

Das können Gartenbesitzer tun

Jeder Mensch kann zumindest einen kleinen Teil dazu beitragen, dass Bestände wieder zunehmen. Wer einen Garten hat, der kann vor allem Wildblumen anpflanzen, an einigen Stellen auch mal vermeintliche Unkräuter wie Brennesseln oder Löwenzahn stehen lassen und vor allem darauf verzichten, Pestizide oder chemische Düngemittel einzusetzen. Der beste Dünger überhaupt kommt aus dem Komposthaufen.

Düngen mit Brennesseljauche

Oder Sie stellen aus Brennesseln selbst einen Dünger her, der sogar gegen Blattläuse wirkt. Sie brauchen dafür ein Holz-, Keramik- oder Kunststoffgefäß (kein Metall), ein Kilogramm frische Brennesseln und zehn Liter Regenwasser. Schütten Sie das Wasser in das Gefäß und legen die Brennesseln hinein. Dann decken Sie das Gefäß ab, so dass noch etwas Luft herankommt, und stellen es für zehn bis 20 Tage an einen ungestörten Ort am besten im Freien.

Fertig ist die Jauche, wenn die Flüssigkeit nicht mehr schäumt. Vorsicht: Die Brühe riecht sehr unangenehm. Mit etwas Gesteinsmehl, das es im Baumarkt gibt, können Sie den Geruch binden. Auf Pflanzen gesprüht, vertreibt die Jauche Blattläuse. Aber wenn sie komplett vergoren ist, eignet sie sich nur noch zum Düngen (bitte im Verhältnis 1:10 verdünnen).

Einsatz von Nützlingen im Garten

Pflanzenschädlinge lassen sich gut durch Nützlinge wie Marienkäfer (und ihre Larven), Larven der Florfliege, Nematoden, Schlupfwespen, Schwebfliegen und Gallmücken bekämpfen. Mit bunten Wildblumen locken Sie zudem Insekten wie Schmetterlinge und Bienen an. Denen können Sie außerdem mit einem Insektenhotel Möglichkeiten zum Nisten geben (beim Nabu gibt es eine Bauanleitung für Insektenhotels, Sie können sie aber auch in Gartencentern kaufen). Und so ein bisschen dazu beitragen, dass nicht noch mehr Insekten auf der Roten Liste landen.

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Eine Antwort auf „Rote Liste: Mehr als ein Viertel der Insektenarten ist bedroht“

Hallo Silke, schöner Blog, über den ich zufällig gestolpert bin, ich freu mich, wenn ich hier mitlesen darf. Kurze Anmerkung, weil Wasserinsekten oft unter den Tisch fallen und deshalb Erwähnungen so wichtig sind – Steinfliegen und Eintagsfliegen sind Insektenordnungen, wie Käfer und Schmetterlinge usw. Es gibt sie in vielen Arten, und jeder Art hat ihre eigenen Bedürfnisse. Es liest sich, als ob es nur die eine Art Eintagsfliege und die Art Steinfliege gäbe. Hoffentlich kommts nicht so weit…viele Grüße ins Wilde Berlin

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