Was haben Kranich und Schwarzstorch, Hausrotschwanz, Schwarzspecht und Waldohreule gemeinsam? Sie alle sind Kandidaten bei der Wahl zum Vogel des Jahres 2025. Noch bis 10. Oktober können Sie für Ihren Favoriten stimmen. Wir stellen alle vor.
Vogel des Jahres 2025 – Kandidat 1: der Kranich
Sein lautes Trompeten ist jetzt im Herbst sogar über der Großstadt zu hören. Und wer dann den Kopf hebt, kann ganze Scharen von Kranichen sehen, die in einer perfekten Formation unterwegs sind. Der große Vogel ist gerade auf dem Weg in den Süden und macht auf der langen Reise zum Beispiel im Teichland Linum Rast. Dort können Naturliebhaber allabendlich ein eindrucksvolles Spektakel erleben, wenn die Vögel von ihren Futterplätzen auf abgeernteten Feldern zu den flachen Gewässern fliegen, um dort die Nacht zu verbringen.
Balztanz im Frühling
Im Frühling kommt der Kranich zurück, und mit etwas Glück kann man ihn dann beim Balztanz beobachten. Eine Vorliebe für feuchte Gebiete hat er auch dann: Er baut sein Nest an Flussauen, Mooren, Seen und Sümpfen – dort, wo es sicher ist vor Fressfeinden. Als Kandidat für den Vogel des Jahres 2025 wirbt er für einen sorgsameren Umgang mit Feuchtgebieten.
Wenn Moore trockengelegt und Flächen versiegelt werden, nimmt das nicht nur den dort lebenden Tieren die Lebensgrundlage. Es schadet auch dem Menschen, denn Feuchtgebiete speichern Wasser und schützen vor Hochwasser. Hinzu kommt, dass die Klimakrise schon jetzt vielerorts staubtrockenen Boden hinterlässt. Und das zwingt Kraniche dazu, früher gen Süden zu ziehen.
Kandidat 2: der Schwarzstorch
Anders als sein weißer Verwandter versteckt sich der Schwarzstorch gerne. Sein Lebensraum sind dichte Wälder, in denen er hoch oben in Bäumen sein Nest baut. Wichtig sind für ihn auch Waldtümpel, Bäche und Sümpfe, in denen er nach Fischen, Fröschen und Insekten sucht. Klappern hört man ihn nur sehr selten, und nur Experten erkennen seinen Ruf, der ein bisschen an den des Bussards erinnert. Und noch etwas anderes unterscheidet ihn vom Weißstorch: Er zieht etwa einen Monat später in den Süden. Sein Bestand in Deutschland ist klein, aber dank Schutzmaßnahmen ist er glücklicherweise ungefährdet.
Schillerndes Gefieder
Der prachtvolle Vogel mit dem schillernden Gefieder und dem roten Schnabel braucht alte und störungsfreie Laub- und Mischwälder. Et leidet darunter, dass Bach- und Flussufer verbaut sind und Wasser kaum noch frei fließt. Als Kandidat für den Vogel des Jahres 2025 steht er für den Schutz und den Erhalt natürlicher Gewässer.
Kandidat 3: der Hausrotschwanz
Er wohnt mitten unter Menschen, und doch wird er oft übersehen. Dabei ist der Hausrotschwanz mit seinem feuerroten Schwanzgefieder eigentlich ziemlich auffällig. Im Frühsommer ist er einer der ersten Vögel, die ihren Morgengesang anstimmen – etwa 70 Minuten vor Sonnenaufgang. Wer ihn beobachtet, dem fällt sicher sein ständiges Beinknicksen und Schwanzzittern auf. Das ist ganz typisch, hat aber keinen besonderen Grund.
Der Hausrotschwanz gehört zu den Mittel- bis Langstreckenziehern. Bei uns kann man ihn bis in den November hinein sehen. Einige Exemplare verbringen den Winter auch in Deutschland.
Ein Nest in der Nische
Sein Nest baut der kleine Vogel in Nischen oder kleinen Öffnungen an Gebäuden. Als Kandidat für den Vogel des Jahres 2025 steht er dafür, solche Nischen bei Gebäudesanierungen nicht zu verschließen und bei der Pflege von Stadtgrün nicht zu gründlich zu sein. Er braucht Blumenwiesen statt kurzgeschorenen Rasen – ein bisschen Wildnis in der Stadt.
Kandidat 4: der Schwarzspecht
Bis zu 17-mal pro Sekunde lässt er seinen Schnabel gegen dicke Baumstämme trommeln – eine beeindruckende Leistung! Der Schwarzspecht gehört zu den Architekten des Waldes. Er hämmert seine Wohnung in alte Baumstämme und schafft damit nicht nur für sich, sondern für mehr als 50 Tierarten einen Unterschlupf. Er ist der größte Specht in Deutschland – mit Schwanz wird er bis zu 50 Zentimeter lang! An seinem matt schwarzen Gefieder und dem roten Scheitel (beim Weibchen ist es ein Nackenfleck) ist er gut zu erkennen.
Brutzeit beginnt im April
Der Vogel ernährt sich von Larven, Puppen, Ameisen und Käfern, die im Holz leben. Im April beginnt die Brutzeit, der Nachwuchs schlüpft nach etwa zwei Wochen und ist nach etwa einem Monat flügge.
Als Kandidat für den Vogel des Jahres 2025 steht er für natürliche Wälder. Dort, wo Alt- und Totholz entfernt wird und monotone Baumplantagen entstehen, findet der Schwarzspecht keinen Lebensraum mehr. Was hilft: der Erhalt von Alt- und Totholz in Wirtschaftswäldern. Hier sollten zumindest „Altholzinseln“ bestehen bleiben, die vielen Arten Rückzugsflächen bieten.
Kandidat 5: die Waldohreule
Manchmal kann man in der Dämmerung ihr „hu-huuu“ in Wäldern und offenen Landschaften hören. Zu sehen bekommt man die Waldohreule allerdings nur sehr selten. Sie ist nachtaktiv und lebt sehr zurückgezogen. Und sie hat einen fast lautlosen Flug. Im Inneren von Wäldern hält sie sich kaum auf – die sind Lebensraum des stärkeren Waldkauzes.
Auffällige Federohren
Die Waldohreule hat Ähnlichkeit mit dem Uhu, ist aber deutlich kleiner und schlanker. Auffällig sind ihre Federohren. Bevorzugter Brutplatz sind verlassene Krähen-Nester. Der Vogel jagt vor allem Mäuse und Wühlmäuse, die er aus dem Flug ortet und dann am Boden schlägt. Er gehört zu den Standvögeln und Teilziehern. Wenn er im Winter bei uns bleibt, kann man ihn manchmal an Gemeinschaftsschlafplätzen sehen – dort halten sich kleine Gruppen gemeinsam auf.
Als Kandidatin für den Vogel des Jahres 2025 steht die Waldohreule für fließende Übergänge zwischen Wald und Feld, mit Sträuchern und Bäumen, auf denen sie den Tag verschlafen kann. Wo Felder und Wiesen leergeräumt und mit Pestiziden besprüht werden, gibt es keine Mäuse mehr – und damit auch keine Waldohreule.
Mitmachen – so geht’s
Auf der Seite Vogeldesjahres gibt es einen Bird-O-Mat, mit dem Sie Ihren Favoriten ermitteln können, einen Kandidaten-Check und sogar die Möglichkeit, Wahlkampfteams zu bilden und Wahlplakate zu teilen. Dann können Sie abstimmen. Wer Vogel des Jahres 2025 wird, wird im Januar 2025 mitgeteilt. Der Sieger wird den aktuellen Amtsinhaber, den Kiebitz, ablösen. Und bekommt dann ein Jahr lang besondere Aufmerksamkeit – etwa durch spezielle Artenschutzmaßnahmen wie den Bau von Nistkästen, das Anpflanzen von Hecken und Sträuchern, das Wiederbeleben von Streuobstwiesen oder mit Kampagnen gegen den Einsatz von Pestiziden.
Anzeige:
![]()